Stütze




Wie atme ich richtig? Was mache ich falsch? Wie verbessere ich mich?

Moderator: Muri

Re: Stütze

Beitragvon doc » 21.09.2008, 22:19

Es gibt übrigens noch eine Vorstellung, die ich von meinem Klarilehrer habe: Heiße Luft

Darin steckt die Vorstellung, daß die Luft vom Bauch möglichst ungestört in einem weiten Kamin aufsteigt. Mir hilft das Bild, wenn ich anfange im Hals "zuzumachen", was auf Sax und Klari ja doppelt tötlich ist. Ist das eine brauchbare Vorstellung auch für die Luftführung auf der Flöte?
-- Liebe Grüße aus der Stadt mit dem riesigen Bahnhofskappellschen.
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von Anzeige » 21.09.2008, 22:19

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Re: Stütze

Beitragvon Picci » 21.09.2008, 22:46

doc hat geschrieben:Es gibt übrigens noch eine Vorstellung, die ich von meinem Klarilehrer habe: Heiße Luft

Darin steckt die Vorstellung, daß die Luft vom Bauch möglichst ungestört in einem weiten Kamin aufsteigt. Mir hilft das Bild, wenn ich anfange im Hals "zuzumachen", was auf Sax und Klari ja doppelt tötlich ist. Ist das eine brauchbare Vorstellung auch für die Luftführung auf der Flöte?


Ein "offener Hals" ist für das Flötenspiel genauso wichtig. Mit der neu gelernten Technik gelingt es mir jetzt viel besser, die Luft ungehindert nach oben gelangen zu lassen.
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Re: Stütze

Beitragvon Danton » 14.01.2018, 19:35

Hallo,
der thread ist zwar schon älter, aber über ein "zeitloses" Thema und hat mir jetzt wirklich weitergehofen. Ich bin nach 25 Jahren Nichtspielen Wiedereinsteiger seit 4 Jahren, und hatte in der 3. Oktave meine liebe Not mit dem fis3. Meine Lehrerin hat mich auf die offenbar mangelhafte Stütze hingewiesen, ich hatte mir dann wiedergelesen, was darüber zu finden war, was mich aber völlig verwirrte. Insbesondere die Erklärungsmodelle mit "Bauchdecke in Einatem-Position" und gleichzeitig "Bauchdecke beim Ausatmen nach innen" habe ich in meinem Kopf (und in der Muskulatur im Bauch) nicht hinbekommen, das fis3 kam nicht, dafür aber Kehlkopfgeräusche. Zusammen mit meiner Lehrerin haben wir mal eine Stunde uns nur damit beschäftigt, wobei mir deutlich wurde, dass ihre Erklärungen (weiter Hals wie ein Ofenrohr, Bauch wie ein Blasebalg) nicht mit dem Gelesenen in Einklang zu bringen sind. Sie spielt seit 20 Jahren, hat mit 6 begonnen und war offenbar während der Zeit mit den "althergebrachten" Atemstütz-Definitionen nicht in Kontakt gekommen.
Nachdem ich mir aufgrund des threads jetzt das Buch "Stütze!!?" von Robert Kreutzer in der 6. Auflage zugelegt und gelesen habe (geht schnell) ist mir klar geworden, dass der Begriff "Atemstütze" völlig in die Irre führt, zumindest mich. Für das fis3 brauchts einfach nur etwas schnellere Luft, und die bekommt man nicht durch mehr Muskelanspannung, sondern nur durch Lockerheit. Ich mache jetzt die Atemübungen aus dem Buch und hoffe, dass mein Bauch das vergisst, was er sich in den letzten 3 Monaten angewöhnt hat aufgrund meiner "ReinRaus-gleichtzeitig"-Anweisungen.
Viele liebe Grüsse an alle FlötistInnen da draussen und Danke an die SchreiberInnen des Threads vor fast 10 Jahren :)
Danton
 
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Re: Stütze

Beitragvon James Blond » 23.01.2018, 17:03

Hallo Danton,

dass der Begriff "Atemstütze" in die Irre führt, wird ja bereits seit vielen Jahren regelmäßig festgestellt, allerdings ist auch der italienische Fachausdruck des "Apoggio" (Halt, Unterstützung) wie auch der englische "Support" (Hilfe, Unterstützung) nicht wesentlich hilfreicher. Gleiches gilt für die physiologischen Beschreibungen, was sich dabei im Körper abspielt, wenn bei Bläsern und Sängern der Atem "gehalten" wird. Das liegt nicht allein an unseren spärlichen physiologischen Kenntnissen des Atmungsvorganges, sondern auch an der mangelnden Umsetzbarkeit theoretischen Wissens auf diesem Gebiet. Ab der Geburt ist das Atmen ein autonomer Vorgang, in den das erwachende Bewusstsein erst nach und nach einzugreifen lernt, ohne sich dabei über die einzelnen Abläufe im Klaren zu sein.

Dies erklärt auch, warum innere Bilder die besondere Atemtechnik häufig hilfreicher als analytische Betrachtungen unterstützen. Letztlich braucht jeder Musiker das ihm gemäße "Mantra", das ihm bei der Atemstütze hilft, ungeachtet der Überlegungen, ob es tatsächlich korrekt die Abläufe beschreibt. In dieser Hinsicht verstehe ich auch deinen Hinweis auf die "Lockerheit", die möglicherweise Verkrampfungen vorzubeugen vermag.

Allerdings wäre mir dafür das dünne Heftchen von Robert Kreuzer entschieden zu teuer und ich kann auch nicht so ganz den Tenor billigen, mit dem Kreuzer als großer Aufklärer der Atemstütze auftritt. Mir scheint dieses Sendungsbewusstsein vor allem aus geschäftlichen Überlegungen gespeist und etwas übertrieben, denn auch trotz aller fragwürdigen Lehren und Theorien auf diesem Gebiet haben Sänger und Bläser seit Generationen diese Technik erlernen können und ich denke, hier geht es in erster Linie um eine Fähigkeit, die - ähnlich dem Radfahren - durch eigenes Probieren erlernt werden muss, wobei alle Erklärungen ebenso helfen als auch schaden können.

Der beste Lehrer für die Atemstütze kann das eigene Gehör sein: Der Ton soll in allen Lagen möglichst tragend und gleichmäßig erklingen, die Atemluft dabei sparsam eingesetzt werden. Wer danach strebt, wird automatisch seine Atemstütze mehr und mehr entwickeln, muss aber auch inkauf nehmen, dass dies viel Zeit braucht. Und er sei gewarnt vor dem Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel, wenn der Hals zu ersetzen versucht, was dem Bauch noch mangelt.

Elke Gallenmüller hat hierzu 2004 in der Zeitschrift Musikphysiologie und Musikermedizin einen hervorragenden und erschöpfenden Artikel veröffentlicht, dessen 6-seitige kostenlose Lektüre ich hier allen Flötenlehrern ans Herz legen möchte: Die Bedeutung der Atemstütze für Bläser. Gallenmüller gibt darin eine verständliche Beschreibung der gegenläufigen Vorgänge bei der Atemstütze, die sie gerne durch den Begriff der "elastischen Spannhalte" ersetzt sehen möchte.

Viele Grüße
JB
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Re: Stütze

Beitragvon Pfiffi » 10.02.2018, 23:20

Hallo James,

vielen Dank für den Link zu dem Artikel - ich habe ihn eben gelesen und finde die Erklärungen dort ebenfalls sehr treffend. Beim Wort "Stütze" denkt man ja irgendwie eher an eine Tätigkeit wie "drücken" oder "nachschieben" - und genau das ist es ja nicht, denn dann ist der Luftstrom nicht mehr frei, sondern gepresst und wirkt sich negativ auf die Tonqualität aus. Es ist eher ein Wechselspiel zwischen "zurückhalten" und "schnell entweichen lassen", um die Luftmenge zu steuern. Aber ich kann der Autorin nur beipflichten: wenn man es kann, ist es einfach - es zu erlernen, äußerst schwierig, aber ich weiß inzwischen zu schätzen, dass in den ersten ca. 1,5-2 Jahren meines Unterrichts knapp die Hälfte einer Stunde aus Atemübungen und Körperwahrnehmung bestand - ein weiterer Grund, meiner Lehrerin sehr dankbar zu sein.
Viele Grüße aus DU
:)
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