Selbstgemachte Klassik




Ihr habt selbst was aufgenommen? Bitte lasst es uns hören

Moderator: La musicienne

Selbstgemachte Klassik

Beitragvon James Blond » 04.08.2018, 23:32

Es ist tatsächlich so, dass ich erst durch meine Querflöte an die Klassik herangeführt wurde. Ursprünglich auf Jazz, Swing und Latin abonniert, hat sie mich ganz sanft an klassische Musik, oder wenn man so will: an Pseudoklassik, herangeführt, denn es reizte mich weiterhin zu eigenen Kompositionen. Dadurch ist einmal ein ganzer Requiem-Zyklus aus 10 Teilen entstanden, den ich immer noch weiter ausarbeite und auch zu Übungszwecken nutze.

So hat es mich beispielsweise sehr geärgert, dass ich die 3. Oktave immer noch nicht sauber und mühelos beherrschte und mir vor allem das fis''' ständig einen Strich durch die Läufe machte. Überhaupt fällt es mir schwer, die 3. Oktave nicht zu schief und schrill klingen zu lassen. Anlass genug also, um einen Requiem-Teil von c moll auf h moll tiefer zu legen und mich so mit dem h''', fis''' und auch dem tiefen h zu befassen. Seine Grenzen schrittweise zu erweitern steht auch inhaltlich im Einklang mit diesem Stück - ich hoffe, das lässt sich hören und es gefällt auch:https://soundcloud.com/jbs-special-james-blond/requiem-part-ii-h-moll

Cello und Chor sind aus der Midi-Retorte, Gitarre und Flöte von Hand, bzw. Mund. Den Flötenpart habe ich heute bei den tollen Temperaturen in einem Stück aufgenommen und auch nichts weggeschnitten, moderaten Hall dazugemischt. Der Anfang ist festgeschrieben, der 2. Teil mit den Wiederholungen wird improvisiert.

Wer sich dafür interessiert, kann das Playback von mir bekommen und auch die Noten dazu.

Liebe Grüße
JB
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon Musiquer » 05.08.2018, 08:57

Sehr meditativ, wunderschön!

Das bringt mich vielleicht dazu wieder öfter einfach so vor mich hin zu improvisieren, auch wenn ich von Harmonielehre wenig Ahnung habe.
Das dauernde Spielen von Stücken, die sich andere ausgedacht haben, ist nicht wirklich sehr kreativ, auch wenn es natürlich in der Interpretation einen gewissen Spielraum gibt.
Nur: Wenn ich Musik aus der bestehenden Literatur spiele, denk ich mir oft, das das so gelungen ist, wie ich es mir selbst nie ausdenken könnte.

Dass die hohen Töne etwas mühsam sind, hört man schon, aber es stört mich nicht wirklich. Immer unverdrossen dranbleiben!
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon Aspi » 05.08.2018, 11:12

Ein sehr schönes Stück, macht Freude, es anzuhören.
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon James Blond » 07.08.2018, 19:53

Vielen Dank fürs Reinhören und eure Antworten! :)

Es freut mich, wenn ich euch damit ein wenig Lust zum Improvisieren machen konnte. Aber ich sehe auch, dass der Vortrag notierter Stücke seine besonderen Reize hat. Es stimmt auch, dass dann zumeist ausgeklügeltere Melodien notiert sind, als man sie sich im spontanen Spiel einfallen lassen könnte. Wie gut eine gegebene Melodie zu einer Harmoniefolge oder einem mehrstimmigen Satz passt, lässt sich leicht ermessen, wenn man selbst einmal versucht hat, etwas passendes zu finden. Ich entwickle meine Stücke oft aus der spontanen Wiederholung, bis am Ende ein fester Ablauf steht, den man letztlich dann auch notieren kann. Insofern denke ich, dass sich das Spielen mit und ohne Noten ergänzen sollte, man sollte möglichst beides beherrschen und keine Seite vernachlässigen. Wer Geschichten erzählen will, sollte vorlesen können. Und wer vorlesen kann, sollte auch Geschichten erzählen können.

Liebe Grüße
JB
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon Altepic » 07.08.2018, 22:39

Hallo James Blond,
Glückwunsch!!!!! Sehr schönes Stück und tolle Aufnahme!!!!
Dass Du in Sachen Aufnahmetechnik vermutlich allen Forumsteilnehmern weit überlegen bist steht wohl außer Frage...

Dass Du Kompositorisch aktiv bist.... - das machen wenige Flötisten.... TOLL!!!!

Sehr schön... Du entdeckst die klassische Musik....

Worauf ich hinaus will....
Wo ist der Unterschied zwischen den "klassisch" ausgebildeten Flötisten und den "Jazzern"?

Klassische Ausbildung heisst, was der Komponist sich ausgedacht hat möglichst in seinem Sinn wiederzugeben.
Da wird der Musiker so zu sagen zum Medium.
Jazz heißt - improvisieren, eigene Ideen wiedergeben. --- aber auch da gibt es feste Regeln im Zusammenspiel mit anderen.

Pahud hat das auf Youtube sehr schön erklärt.

Letztendlich kommt alles wieder zusammen...
Auf Youtube gibt es eine öffentliche Vorlesung von Bernstein über die entstehung des Qintenzirkels/ Pentatonik etc....
Sehr informatif und überhaupt nicht trocken...

Ich als "klassischer Flötist bin unterschwellig auf der Suche nach einem Lehrer für Jazz.

Claude Bolling hat die Suite "for Flute and Jazz Trio" komponiert. Da ist für Flöte alles ausgeschrieben. Rampal hat als klassischer Flötist das Stück geadelt.

Andererseits übe ich sit einiger Zeit das c-moll Konzert von Vivaldi.
Wenn Bach heute Jazz-Musiker wäre, dann wäre Vivaldi Rockmusiker....
Wenn man das mit dem Bewusstsein spielt, rockt das tatsächlich...
Selbst bei Mozart oder Telemann kann man das finden....

Ich denke, ... musikwissenschaftlich betrachtet baut alles aufeinander auf.
die Akkorde und Harmonien basieren alle auf dem Qintenzirkel und der Pentatonik -Weltweit in allen Kulturen.

Von Jazz zu Klassik ist der Unterschied nicht so groß. Von der Ausbildung bei Flötisten aber schon

LG Altepic
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon Goldflöte » 08.08.2018, 10:42

Hallo James,

mir hat vor allem die Improvisation sehr gut gefallen. Total interessant "erzählt" und ungezwungen klingend. Dazu noch keine Atemgeräusche und kein Rauschen - Kompliment.
Vielen Dank!

LG
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon James Blond » 09.08.2018, 11:38

Nochmals vielen Dank für das positive Feedback!

Es kann für alle nur hilfreich sein, wenn unsere Veröffentlichungen die ganze Vielfalt des Flötenklanges wiederspiegeln und ich trage mit meinen Stücken gern dazu bei, wie ich mich auch über eure Aufnahmen freue.

Auch wenn unter uns vermutlich noch kein Jean-Pierre Rampal spielt, so ist es doch sehr erbaulich, die Vielzahl der Wege zu verfolgen, deren jeder von einer persönlichen, zuweilen lebenslangen Auseinandersetzung mit diesem besonderen Instrument erzählt. Darin liegt auch mein Wunsch begründet, Stationen dieser Reise durch das flüchtige Medium unbedingt festzuhalten. Die breite Verfügbarkeit der technischen Hilfsmittel stellt heutzutage kaum noch besondere Anforderungen an Kenntnisse oder den Geldbeutel. Gern unterstütze ich hier jeden Heimstudioplan mit Rat und Tipps rund um die DAW.

Es mag zwar nicht jedem liegen, aber mir hat das Üben mit dem PC sehr geholfen, weil alles kontrollierbar und variierbar wird: Intonation, Tonarten, Tempi, Noten, Harmonik, alles lädt zur Entdeckungsreise ein. Allmählich entstehen dabei auch Übergänge zwischen Jazz und Klassik, Mischungen aus notierter und improvisierter Musik.

Der Flötenunterricht sollte von Anfang an die Improvisation fördern und nicht erst in nachfolgenden Workshops "Ausbruchsversuche" starten. Das entspricht auch dem Geist und Sinn der Klassik. Bach hat geradezu unermüdlich improvisiert, im Spiel unzählige Variationen geschaffen, zum Teil über Themen anderer Komponisten. Zu seiner Zeit wurde das von einem qualifizierten Organisten erwartet. Händel, Haydn, Mozart oder Mendelssohn, die Popstars ihrer Zeit, waren allesamt große Improvisationstalente.

Liebe Grüße
JB
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Re: Selbstgemachte Klassik

Beitragvon James Blond » 27.08.2018, 18:29

Hallo nochmals,

ich habe inzwischen den festen Teil des Stückes notiert. Wer sich daran versuchen möchte:

Die Noten können zum internen Gebrauch von hier heruntergeladen werden,
das Stück als Begleitung ohne Flöte hier.

Auch das obige Original kann jetzt hier über [... mehr] heruntergeladen werden.

Viele Grüße
JB
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