Früher gabs bei uns auch nur die Regel, dass man D2 machen musste und dann durfte man unterrichten. Es war aber zu keiner Zeit so, dass der Lehrer entschieden hat, dass er unterrichten will, sondern, dass er vom Dirigenten und Jugendleiter "ausgewählt" und darauf angesprochen wurde.
Mittlerweile haben wir gar keine feste Regel mehr. Wir bedienen uns vieler Lehrer von "Außen", die dann in der Regel studiert haben, und haben auch noch einige "eigene" Lehrer die zum Teil nicht mal D1 haben. Die Tatsache, dass jemand einen solchen Kurs gemacht hat oder nicht gibt ja keine Auskunft darüber wie gut er tatsächlich spielt und wie gut sein Unterricht sein wird. Wir entscheiden das lieber anhand anderer Kriterien und fahren damit auch deutlich besser. Bei uns unterrichtet, wer selber sein Instrument überdurchschnittlich gut beherrscht und auch im Umgang mit Kindern und Jugendlichen geübt und gekonnt ist. Dazu kommt, dass bei uns kaum jemand mehr als D1 macht. Ich habe selber auch nicht mehr als die D1-Prüfung abgelegt. Den C1 habe ich besucht und dann wegen Differenzen mit der Lehrerin abgebrochen. Die Kurse bedeuten oftmals einen zeitlichen Mehraufwand, denn die Jugendlichen heute nicht mehr leisten können und wollen. Und viele hinterfragen mittlerweile auch den Sinn. Natürlich gibt es auch noch welche, die alle Kurse besuchen, aber die machen das dann einfach aus persönlichem Ehrgeiz und weil sie ihr Können "attestiert" haben wollen. Andere sind sich ihrem Können durchaus bewusst und haben es einfach nicht nötig, sich jenes von einer minder qualifizierten Prüfungskomission bestätigen zu lassen.
Letztendlich ist es so, zumindest bei uns im Verband, dass die Beurteilungen bei solchen Prüfungen sehr subjektiv und wenig mit den Tatsachen übereinstimmend sind. Und wenn ich an meine Gruppe beim C1 denke (und ich weiß von vielen, dass sie weitergemacht haben zum C2/C3) dann weiß ich auch nicht ob ich von denen auch nur einige wenige bei uns als Lehrer haben wollte. Nicht jeder der die Prüfungen irgendwie besteht ist nachher auch nur annähernd qualifiziert genug um unserer Meinung nach guten Unterricht geben zu können. Daher ist es nett wenn unsere Lehrer sowas machen aber überhaupt nicht nötig. Dazu sind wir in der großartigen Situation, dass mittlerweile viele Musiker aus den eigenen Reihen Musik studiert haben oder bei den Blasorchestern der Bundeswehr waren. Andere haben vielleicht gar keine objektive Qualifikation. Ein Euphoniumspieler bei uns hat (abgesehen vom Mentor) keinerlei Zusatzqualifikation, aber hilft regelmäßig beim Orchester einer Musik
hochschule aus. Das ist uns dann absolut ausreichend
Andere Vereine bei uns in der Region arbeiten ähnlich. Viele arbeiten mittlerweile nur noch mit der Musikschule zusammen. Und einige wenige lassen eben noch jeden Unterrichten der einigermaßen Töne aus seinem Instrument herausbekommt...Aber das sind bei uns vor allem die ländlichen Vereine, die eben kaum an andere Lehrkräfte herankommen und bei denen die Musikschulen zu weit weg sind. Oftmals sind es nicht mal mehr die Vereine die solche Lehrer vermitteln. Ich habe es oft genug schon erlebt, dass Kinder eben bei einer Bekannten der Familie Unterricht hatten. Die hatte dann selber mal als Kind ein paar Jahre Unterricht, dann zwanzig Jahre nicht gespielt, und dann unterrichtet man.
Ein anderer Verein aus aus allen Wolken gefallen, als ich seine bisherige Flötenlehrerin stark kritisiert habe. Zwei ihrer ehemaligen Schülerinnen haben zu "meinem" Verein gewechselt und daher Unterricht über mich bekommen. Sowas furchtbares wie die zwei habe ich selten gesehen....der Verein ist davon ausgegangen, dass die Frau ganz guten Unterricht macht, weil sie selber sehr gut wohl spielt und auch semiprofessionell unterwegs ist (mit so ner Egerländer-Kombo die bei uns sehr bekannt ist). Aber ihr Unterricht war wirklich schlecht (von der Lehrerin kam die Aussage: "Über die Haltung können wir dann noch sprechen wenn der Schüler fortgeschritten ist, für einen Anfänger ist das nicht relevant und sie versteht das Problem gar nicht, weil es doch jetzt so noch gut geht." Und die Meinung hatte sie bei jedem Thema. Solang es doch so einigermaßen funktioniert, sieht sie nicht ein warum die Schüler es anders und richtig machen sollten. Die Lehrerin hat auch gar nicht gemerkt, dass beide Schülerinnen kaputte Flöten hatten und hat die Schülerinnen immer für den schlechten Klang bei manchen Tönen, wie dem allseits bekannten f, verantwortlich gemacht).
Die Schülerin, bei der in meinem ersten Post ging, hatte auch bei einem Laien-Lehrer Unterricht. Wie gut der tatsächlich ist weiß ich nicht. Die Schülerin hat viele Mängel (eig nur Mängel

). Aber wenn man nur einen Schüler bekommt kann man da noch nicht gleich auf den Lehrer schließen. Manchmal liegt es ja tatsächlich auch am Schüler und nicht am Lehrer. Daher will ich mir kein endgültiges Urteil erlauben. Aber allein die Tatsache, dass das Mädchen auf einem Chinaböller spielt und ihr Unterricht zum Schluß nur noch aus Orchester-noten-üben bestand macht mich schon skeptisch...