Re: Schlechte Laune Thread ...
von Luvanir » 14.05.2010, 20:26
Ich komm gerade aus der Probe...zwei Plätze weiter von mir (ich Oboe *g*) sitzt eine kleine Querflöte. Das Mädchen ist 10 und für ihr Alter nicht sonderlich groß. Sie gibt sich sehr viel Mühe, aber kommt halt noch nicht so gut mit. Alles soweit so gut. Aber, die Hand- und Finger- und Körperhaltung des Kindes ist eine Katastrophe. Vor zwei Monaten (damals hat die Kleine überraschend vom gebogenen Kopfstück auf das gerade gewechselt), hab ich die Mutter darauf angesprochen (eben in dem Zusammenhang das ich den Wechsel für verfrüht empfinde). Seitdem ist die Haltung immer schlimmer geworden, aktuelle Haltung:
Das Flötenrohr liegt komplett in der Innenfläche der rechten Hand, also liegt nicht an der Fingerwurzel an sondern sie umschließt das Rohr, berührend, mit der Hand. Die rechte Hand ist dabei komplett nach hinten geknickt. Die Folge davon ist, dass die Finger recht weit vorne sind (selbst bei ihren sehr sehr kleinen, kurzen Fingern). Also tippt sie die Klappen nur noch mit den Fingern an, aber nicht wie sonst oft gesehen hinten, sondern vorne. D.h. sie berührt die Klappen nicht mehr mit den Fingerkuppen sondern nur noch an ihrem vorderen Ende mit dem obersten Fingergelenk. Soweit die rechte Hand. Die linke Hand macht das Übliche, sprich der Ringfinger tippt die Klappe nur an, die anderen Finger dieser Hand ebenso (aber zumindest noch in dem "normalen" Fehler). Insgesamt hat sie überhaupt keine Körperspannung, hängt total auf dem Stuhl. Der rechte Arm ist total gestreckt, weil die Flöte zu lang ist. Auch die Finger sind total spannungslos und schlichtweg mit der Haltung überfordert.
Ok. Die Situation hab ich der Mutter erklärt. Ich habe meine Bedenken klar formuliert und gesagt, dass die Kleine so in Zukunft Schwierigkeiten haben wird. Was erzählt mir die Mutter....Also sie hätte damals die Lehrerin darauf angesprochen. Die Lehrerin meinte, es wäre doch völlig egal wie das Kind die Flöte hält und die Klappen drückt. Sie lege nur sehr viel Wert auf den Ton und solang der dadurch nicht beeinträchtigt wird ist das völlig egal. Und es klingt doch so gut, also warum sollten sie darauf achten wie die Finger auf den Klappen liegen. Und das Problem mit der Geschwindigkeit wäre auch keines, weil sie ja auch dieses Antippen verschnellern könnte und dadurch also nicht beeinträchtigt wäre. Und Ringklappen wären sowieso sinnlos. Also, solange es gut klingt sieht sie keinen Grund an der Haltung zu arbeiten.
Ok, was denke ich mir. Die Frau hat keine Ahnung. Natürlich klingt der Ton nicht anders, wenn ich die Klappe weiter vorne oder hinten drück. Das hat ja keinerlei Zusammenhang. Also absoluter Schwachsinn. Und das die Kleine ihre Fingerarbeit so trainieren kann das sie durch diese, sehr spezielle Haltung nicht beeinträchtigt wird ist absolut unwahrscheinlich. Mit der Haltung kann man die Finger gar nicht schnell bewegen.
Naja gut, die Mutter wollte die Lehrerin noch einmal darauf ansprechen, sieht aber keinen Grund etwas zu ändern. Ihr scheinen die Argumente der Lehrerin plausibler als meine. Auf die Nachfrage welche Qualifikation die Lehrerin denn hätte, hat sie nur geantwortet, das wisse sie nicht aber sie unterrichtet schon seit vielen Jahren und wäre schon über 40.
Und ich bin eben nur 22 und unterrichte erst seit drei Jahren....
Also sprich: das arme Kind wird durch eine unqualifizierte, schlechte Lehrerin versaut. Es gibt dann mehrere Möglichkeiten.
1. das Kind bleibt versaut, hat irgendwann keinen Spaß mehr und kommt nicht mehr voran. Also hörts halt auf oder bleibt auf dem Level stecken und gurkt halt irgendwie immer mit....
2. das Kind bringt sich selber auf ein besseres Level (durch Beobachten anderer Orchestermitglieder, hab ich damals auch gemacht), kommt an einen gewissen Punkt und kommt dann auch nicht mehr weiter. Gurkt schlussendlich dann auch wieder nur mit....
3. das Kind wechselt irgendwann zu einer anderen Lehrerin die dann verzweifelt. Das Kind verzweifelt auch, weil ein solches gravierendes Umlernen keinen Spaß macht. Bei viel Disziplin und Motivation klappt es irgendwann besser, Fortschritte können erzielt werden. Wenn nicht, hörts irgendwann auch auf....
So direkt kann man es leider der Mutter nur nicht sagen (weil sie ja eben meint die andere Frau hätte mehr Ahnung als ich...obwohl sie weiß das ich Flöte studiere).
Naja, warum rege ich mich eigentlich darüber auf. Ist ja nicht mein Problem. Aber andererseits, ich muss die Kleine jede Woche so sehen. Ich hab selber zwei Mädels die ich übernommen hab, bei denen wir an solchen Dingen arbeiten müssen. Das ist für die Beiden auch nicht unbedingt schön, wir könnten wesentlich weiter sein wenn wir nicht "von vorne" hätten beginnen müssen. Und schlussendlich, ich war selber lange ein so versautes Kind. Schlussendlich hat mich das dann der Möglichkeit beraubt Querflöte auf einem höheren Level zu spielen und damit nicht nur Lehramt sondern Künstlerisches Fach o.ä. zu studieren.
Aber ich versteh auch die Mutter, dass sie der erfahrenen Lehrerin glaubt und nicht der jungen Studentin....