Ich glaube allerdings, dass die "Lehrer", die dann für solche Fehler verantwortlich sind, oft noch nicht einmal etwas dazu können. Sie wissen es einfach nicht besser oder kennen es vielleicht auch aus der eigenen Erfahrung heraus nicht anders und arbeiten jetzt mit ihren kleinen Schülern genau so.
Ganz massiv mache ich diese Erfahrung zur Zeit in dem zweiten Orchester, wo ich neben meinem Haimatverein noch tätig bin. Ich dirigiere da das Jugendorchester und unterrichte zwei ältere, fortgeschrittene Schüler. Mit den kleinen Anfängern komme ich da nur im Orchester in Kontakt. Unterricht bekommen die bei vereinseigenen "Ausbildern", die selber über kaum mehr als die absoluten Grundlagen verfügen. Zum Beispiel geben meine zwei Schülerinnen selber schon seit längerem Unterricht für Anfänger, obwohl sie gerade erst vor einigen Wochen selber den D2 bestanden haben. Bei ihnen selber liegt technisch und theoretisch noch so viel im Argen, dass es eigentlich unverantwortlich ist, sie ausgerechnet auf absolute Anfänger loszulassen. Und entsprechend kann man sich ja die Probleme vorstellen, die meine kleinen Flöten (bei anderen Instrumenten sieht es ähnlich aus, aber da fällt es mir vielleicht nicht ganz so schlimm auf) im Orchester haben: Haltung eine Katastrophe, alle Ansatzprobleme die man sich nur vorstellen kann sind vertreten, Überblastechnik eine Katastrophe, von "Feinheiten" wie Intonation oder Dynamik wage ich gar nicht zu sprechen.
Solche "Lehrer" sind natürlich auch völlig überfordert, wenn sie einen Schüler hinsichtlich des Instruments beraten sollen. Sie kennen die Unterschiede nicht, hatten selber nie die Möglichkeit, einmal Instrumente aus verschiedenen Preisklassen und Qualitätsstufen anzuspielen und selbst gravierende Mängel an einer Schülerflöte bemerken sie nicht unbedingt. Zum Beispiel habe ich neulich durch Zufall mal die Flöte von einem Mädel aus meinem Orchester angespielt. Das Teil war so undicht, dass ich es nicht einmal annährend geschafft habe, so fest zu drücken, um die Klappen zu verschließen. Es war schlicht nicht möglich, das Instrument in diesem Zustand auch nur halbwegs sauber zu spielen - und ich wundere mich schon seit Wochen, warum die Kleine solche Schwierigkeiten bei den simpelsten Stellen hat! Nach der Probe habe ich mir dann mal eine Viertelstunde Zeit genommen, die Mechanik besser einzustellen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erstaunt das Kind war, dass Flötespielen so leicht sein kann! Und die "Lehrerin" erzählte mir eine Woche später ganz begeistert, welche riesigen Fortschritte ihre Schülerin gemacht hat und konnte sich das gar nicht erklären ...
Solche und ähnliche Methoden sind leider in vielen Vereinen üblich. Ich glaube, den Vereinsvorständen und auch den sogenannten "Lehrern" ist dabei überhaupt nicht bewußt, was sie da eigentlich tun und bestimmt ist es auch keine böse Absicht. Trotzdem macht es mich immer wieder wirklich wütend zu sehen, dass diese kleinen Anfänger niemals eine echte Chance bekommen werden, mehr aus ihrem Instrument heraus zu holen. Und solche Fälle sind es dann auch oft, die die Billig-Chinaflöten für anfänger empfehlen. Einfach, weil sie selber keine Ahnung haben und weil sie den Eltern zu hohe Anschaffungskosten in der Anfangszeit ersparen wollen. Uns bleibt da nur, immer weiter aufzuklären, egal ob Schüler, Eltern oder die Leute aus anderen Vereinen, in der Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser wird.