Cyril Scott "The extatic shepherd"




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Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon King of Flute » 03.12.2010, 00:17

Wie ihr vielleicht aus dem Thread "Mein neuer Lehrer" erfahren habt, übe ich gerade an dem Stück "The extatic shepherd" von Cyril Scott. Leider komme ich nicht so gut mit dem Stück voran, wie ich es gerne hätte :(

Das erste Problem ist der ungewohnte Rythmus des Stückes mit dem Wechsel von Quintolen, Sextolen, Triolen, und Sechzehnteln.

Das zweite Problem sind die 10000 Vorzeichen die vor den Noten stehen, was dazu führt, dass ich mich nicht richtig auf das erste Problem den Rythmus konzentrieren kann.

Das dritte Problem ist, dass ich die Dynamik nicht deutlich genug spielen kann, weil ich einfach zu sehr mit dem Rythmus und den Vorzeichen beschäftigt oder einfach die ganz tiefen Töne nicht laut genug bekomme.

Hat jemand von euch das Stück schonmal gespielt und könnte mir vielleicht ein paar Tipps geben?

Mein Lehrer hat mir auch gesagt, dass das Stück schwer ist und ich hoffe einfach, dass er das nicht am Montag komplett mit mir machen will :? .
King of Flute
 
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von Anzeige » 03.12.2010, 00:17

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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Christina » 03.12.2010, 08:35

Hallo King of Flute!

Ich kenne dieses Stück nicht, kann dir aber natürlich einige allgemeine Übetipps geben, wie man sinnvoll an ein Stück mit der von dir beschriebenen Problematik herangehen kann. Eigentlich ist das ja bei allen Stücken, die zu schwer sind, um sie direkt vom Blatt zu spielen, sehr ähnlich. Allerdings verstehe ich nicht ganz, dass dein Lehrer dich mit so einem Stück alleine lässt und nicht im Unterricht sinnvolle Übungsstrategien mit dir besprochen hat. Also:

1. Teil dir das Stück in kurze Übeabschnitte ein. So ein Stück lernt man nicht, indem man immer wieder versucht, es komplett zu spielen. Gerade wenn es so schwierig ist, solltest du dir immer nur sehr kurze Teile, vielleicht einen oder zwei Takte gleichzeitig, vornehmen. Der kürzeste Abschnitt, den man gesondert üben kann, ist der Wechsel zwischen zwei Noten - und auch das kann, je nach Zusammenhang, manchmal sinnvoll sein.

2. Mache dir zunächst die Tonfolge klar. Überlege dir, wie die Töne mit Vorzeichen zu greifen sind, schau, wo ein Vorzeichen innerhalb des Taktes für mehrere Töne gilt, trage dir solche "fehlenden" Vorzeichen evtl. zur Erinnerung mit Bleistift ein. Schau, ob an blöd zu greifenden Stellen die Verwendung von Hilfsgriffen in Frage kommt, wenn ja, dann trag das ebenfalls ein. Vielleicht übst du auch erstmal nur die Griffabfolge ohne Rhythmus (alles als Viertel oder Achtel), wenn es sehr schwierig ist.

3. Mache dir den Rhythmus vertraut. Du musst genau wissen, wie du zählen sollst, welche Noten jeweils zu einem Taktschlag gehören. Auch da ist es hilfreich, sich mit Bleistift zumindest die vollen Zählzeiten zu markieren. Wenn charakteristische Rhythmusmuster vorkommen (bei dir die Quintolen etc.) üb die auch getrennt von dem Stück, z.B. im Rahmen einer Einspielübung auf einer Tonleiter. Wirf dein Metronom an, in sehr langsamem Tempo, und sprich, sing oder klatsch dazu den Rhythmus. Wenn das klappt, spiel ihn mit der Flöte auf nur einem Ton. Danach mit den richtigen Noten und nur gaaaanz langsam das Tempo steigern. Für viele Rhythmusmuster gibt es auch irgendwelche Eselsbrücken (Beispiel: eine Quintole muss klingen wie Lo-ko-mo-ti-ve).

4. Übe schwierige Stellen in verschiedenen Variationen. Wenn es dir um Rhythmus und Griffe geht, kannst du z.B. die Artikulation verändern (alles stoßen, alles binden, abwechselnd bestimmte Gruppen binden und anstoßen, Akzente auf bestimmte Zählzeiten setzen, ...) um so die Aufmerksamkeit für eine Stelle wach zu halten und sie schneller zu lernen.

5. Wähle das Übungstempo nur so schnell, dass alles das, was dir schwer fällt, zu 100% fehlerfrei klappen kann. Jeder Fehler der vorkommt wird vom Gehirn gespeichert und zu wenig Aufmerksamkeit an solchen Stellen führt leicht dazu, dass er sich festsetzt. Steigere das Tempo nach und nach, sehr langsam. Nie schneller spielen, als man denken kann.

6. Verabschiede dich von der Idee, alles gleichzeitig beachten zu wollen. "Feinheiten" wie zum Beispiel die Dynamik kommen erst ganz zum Schluß dran, wenn Rhythmus und Melodie sicher sitzen. Sobald das Tempo einigermaßen realistisch ist, sollte man sich auch Gedanken über sinnvolle Phrasierung und Atmung machen. Vorher hat das keinen Sinn, weil es im langsamen Tempo meistens nicht so durchführbar ist.

7. In vielen Stücken werden Abschnitte mehrfach an unterschiedlichen Stellen gleich oder sehr ähnlich wiederholt. Wenn man solche Muster erkennt und markiert kann man sich viel Arbeit sparen, weil man sie nämlich nur einmal üben muss.

8. Vielleicht der wichtigste Punkt: Nimm dir Zeit und hab Geduld mit dir selber! Niemand wird erwarten, dass du ein Stück von diesem Schwierigkeitsgrad in wenigen Tagen perfekt spielen kannst. Es ist normal, dass man auch mal mehrere Wochen oder noch länger an einem Stück arbeitet. Ich glaube auch nicht, dass dein Lehrer in der nächsten Stunde einen fehlerfreien Vortrag von dir erwartet. Er wird eher sehen wollen, ob du verstanden hast, um was es geht und wie du an so ein Stück herangehst.

Viel Spaß beim Üben!
Christina
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon King of Flute » 04.12.2010, 01:48

Heute hab ich das Stück mal ohne Dynamik geübt und auch kurz einige schwierige Stellen. Ich habe es sogar einigermaßen komplett spielen können also mit den richtigen Tönen und auch einigermaßen im Rythmus :D . Mit dem Metronom habe ich das Stück noch nicht geübt, weil es in dem Stück drei Stellen gibt über mehrere Takte wo man langsamer werden muss und das wollte ich schonmal mitüben. Aber das werde ich auch noch machen, dann halt ohne langsamer werden.

Alles in allem, war ich aber heute ganz zufrieden mit meiner Arbeit an dem Stück und ich merke wie ich mich so langsam in das Stück reinfinde :D .
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon King of Flute » 06.12.2010, 22:34

So heute hatte ich mal wieder Unterricht und ich habe nur zwei Takte von dem Stück gespielt. Stattdessen habe ich mal wieder viel Theorie und Übungen zu Atmung (Stichwort: "Langer Atem") und zum Ton gemacht (anfang von Tonleiter spielen und dabei whh, whhh,whhh machen)

Ich habe jetzt neben dem Stück auch noch leichtere Stücke aus der Querflötenschule von Richter auf. "The extatic shepherd" scheint also eher eine mittelfristige Aufgabe von meinem Lehrer zu sein. Das Stück wird wohl eher eine Nebenrolle im Unterricht spielen.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Altetröte » 07.12.2010, 10:06

Die Richter Schule? OMG :shock:

Hoffentlich unterrichtet er den Ansatz nicht auch nach Richter!
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Christina » 07.12.2010, 10:35

@Altetröte: Och, sooo schlecht ist die Richter-Schule auch wieder nicht. Da kann man durchaus mal einige gute Technikübungen oder einzelne Übungsstücke rausziehen. Der da beschriebene Ansatz ist allerdings deutlich überholt, da gebe ich dir Recht.

So heute hatte ich mal wieder Unterricht und ich habe nur zwei Takte von dem Stück gespielt.

Sowas Ähnliches hatte ich gemeint, als ich dir geraten habe, das Stück in ganz kleinen Schritten zu üben :wink:.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Altetröte » 07.12.2010, 13:19

na gut, die Stücke sind ganz nett und zum Teil auch die Erklärungen, was die Musiktheorie angeht, aber es ist halt eine Schule, die man nicht vorbehaltslos verwenden kann und schon gar nicht, wenn man autodidaktisch an das Flöte spielen herangeht. Dasselbe gilt z. B. auch für die Schule von Hanns-Peter Schmitz. Es sind eben Flötisten der alten Garde, obwohl Peter-Lukas Graf, Marcel Moyse, Gustav Scheck und Aurele Nicolet auch nicht sooo viel jünger sind/waren, aber eben schon ein anderer Flötentypus.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Christina » 07.12.2010, 13:35

Hans-Peter Schmitz war die "Flötenlehre", oder? Mein Gott, danach habe ich noch gelernt ... ist das lange her! Ich nehme beide Bände heute noch gerne im Unterricht wegen den wirklich schönen Duetten, damit kann man prima Blattspiel üben. Ähnlich wie die Richter-Schule eine gute Materialsammlung, aber zum eigentlichen Lernen nicht mehr auf dem heutigen Stand. Ich glaube das sehen wir ähnlich.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon Altetröte » 07.12.2010, 14:10

Jepp, Flötenlehre in zwei Bänden.

Die habe ich nun nicht, aber mein Lehrer und wir suchen daraus öfter mal Stücke fürs Blattspiel heraus. Dafür sind die Schulen gut, das stimmt.

Allerdings werden sie heute noch verkauft und ich habe neulich bei einem großen Internetz(buch-)händler eine Rezension über die Richter-Schule gelesen, die mir die Haare zu Berge stehen ließ. Diese Schule als non plus ultra hinzustellen finde ich doch etwas gewagt.

Also Leute: wenn es denn eine "uralt"-Schule sein soll, dann bitte die von Taffanel/Gaubert, die haben damals schon den "französischen" Ansatz gelehrt. Aber auch diese Schule gibt es noch und ich besitze sogar den ersten Band davon (aus dem Antiquariat, eine Neuauflage wäre Blasphemie :D , ich hoffe, dass ich irgendwann auch noch mal den zweiten Band schießen kann). Sie enthält ebenfalls viele, viele Übungen, ist aber - finde ich - für Kinder nicht so doll geeignet, weil alles sehr trocken dargestellt und formuliert ist.
Man muß sehr viel zusätzlich erklären, weil eine Menge an Grundwissen bzw. Vorkenntnissen vorausgesetzt wird.

Oh, ich fürchte, wir sind OffTopic

Vielleicht sollten wir mal einen Thread über Flötenschulen aufmachen. Jeder stellt seine bevorzugte Schule vor und erläutert deren Vorteile oder so.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon King of Flute » 07.12.2010, 16:19

Altetröte hat geschrieben:Die Richter Schule? OMG :shock:

Hoffentlich unterrichtet er den Ansatz nicht auch nach Richter!


Nein, er unterrichtet den Ansatz nicht nach Richter, sondern auch nach der moderneren Art. Er nimmt nur ein paar der leichteren Stücke aus der Schule, weil er die Richter Schule sowieso unsystematisch findet.
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Re: Cyril Scott "The extatic shepherd"

Beitragvon King of Flute » 09.12.2010, 17:39

Zurück zum Thema: Ich werde jetzt erstmal den Anfang des Stückes mit Metronom üben, da ich nicht ganz regelmäßig ohne Metronom bei der Sextole und der Quintole zähle :oops:
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