Flötenkollegen




Alles was zum Thema Querflöte gehört, aber nirgendwo reinpasst

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Flötenkollegen

Beitragvon La musicienne » 22.07.2012, 23:41

Die meisten von euch spielen ja in irgendwelchen Ensembles, Orchestern oder Vereinen. Wie ist das bei euch da so? Verstehen sich die Flöten gut miteinander? Oder herrscht da eher Rivalität, Zickenkrieg oder sonst was? Die meisten Stimmgruppen halten ja immer ganz gut zusammen :) ich hab zumindest noch keinen Hornsatz gesehen, bei dem die Hörner sich nicht verstehen. Aber irgendwie ist mir aufgefallen, dass ich bis jetzt nur in wenigen Ensembles/Orchestern war, wo die Flöten wirklich freundschaftlich miteinander umgehen. Meistens herrscht ein angespanntes Verhältnis und man darf niemals das Wort Intonation etc. in den Mund nehmen oder über die Ausführung von dem Stück reden, was gerade gespielt wird, weil sonst sofort absolute Kommunikationsverweigerung die Folge ist. Eigentlich echt schade, wenn man im Register nicht offen miteinander reden kann :( Sind alle Flöten so emfpindlich eurer Meinung/Erfahrung nach? Als Flöte mit anderen Bläsern sich über Probleme ( bzgl. Einsätze, Intonation, Zusammenspiel) zu unterhalten ist kein Problem, aber unter Flöten...
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von Anzeige » 22.07.2012, 23:41

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Re: Flötenkollegen

Beitragvon Flutissimo » 23.07.2012, 08:36

Schönen guten Morgen,

super interessantes Thema! :-)

Ja, das stelle ich auch immer wieder fest. Ich denke es liegt in der Natur des Instruments und der vorwiegenden Menschentyps der sich dieses aussucht. Die Flöte wird wohl häufig von den ganz Ehrgeizigen ausgesucht, die gern ganz vorne sind/ oben stehen / "die 1.Geige spielen wollen". Ausgelöst wahrscheinlich durch Klang, Tonhöhe und die anderen Eigenschaften der Flöte ("Form, Farbe, Geschmack").

Musiker anderer Instrumentengattungen sind vielfach deutlich lockerer und entspannter - in sich als auch im Umgang miteinander.

Wobei es da auch nochmal ein bißerl darauf ankommt, in welcher Orchesterforum oder auch Genre wir uns bewegen. Musiker in Sinfonieorchestern sind da häufig nochmal ne Spur "anstrengender" als ein Register im Blasorchester. Und Flötisten eines Oberstufen-Blasorchesters sicher angespannter als die einer Mittel- und Unterstufen-Gruppe. Am Entspanntesten erlebe ich die Flötisten in reinen Flötenensembles/ Flötenorchestern im Umgang miteinander. Wobei man dort dann wieder nach den Stimmen die feinen Unterschiede feststellt. Alt- und Bassflötisten sind maximal entspannt, im Gegensatz zu den Führungsstimmen, die dann auch gern schonmal den Herrschaften aus den Sinfonieorchestern ähneln :-)

Wie auch immer - leben und leben lassen :-) Die Flöte ist einfach ein wundervolles Instrument.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon Jenna1807 » 23.07.2012, 12:44

Also in meiner Truppe sind wir ja nur 2 Flöten und wir haben keinerlei Probleme.
Kann sein, dass die andere Flöte in mir absolut keine Konkurrenz sieht :lol:
Nur leider sind mir schon zwei Querflöten über den Weg gelaufen, die so was von arrogant waren :evil:
Die eine habe ich erst vor ein paar Wochen in einem kleinen Konzert gesehen und gehört ... Naja
Wenn sie so gespielt hätte, wie sie sich mit ihrer hochnäsigen Art nach dem kleinen Konzert verhalten hat,
wäre das wenigstens noch was gewesen. Aber sorry, sie war echt nicht dolle und dann ein Mädchen stehen lassen, was ihr gratulieren wollte und begeistert erzählen wollte, dass sie selber auch Querflöte spielt, ist für mich das Letzte. Da kam nur so ein gelangweiltes "Ach jaaaa?" und schon hatte sie sich abgewendet.
Mein Mann hat nur den Kopf geschüttelt und tatsächlich festgestellt: "Sage mal, die Lieder hast du doch auch alle oder habe ich mich da irgendwie verhört?"
Nee, hat er nicht. Also könnt ihr euch ungefähr vostellen, was da gespielt wurde. :wink:
In der Musikschule oder anderswo sind aber alle Querflöten echt nett und hilfsbereit!
die Jenna
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon tityre » 23.07.2012, 16:15

Ich kenne Konkurrenzdruck aber auch bei den Streichern, die sich ans erste Pult hochkämpfen müssen, ansonsten ist an Flutissimos Einschätzung schon was dran. Ich bin auch so eine vom Ehrgeiz zerfressene :)
Auf der anderen Seite muss man mit einem Soloinstrument aber auch besser sein, als ein Rudelstreicher. Da kann ich auch mal einen Ton weglassen, das geht nun mal als Bläser nicht.

Ich klebe aber auch nicht an der ersten Stimme. Die spiele ich, wenn es allen anderen zu fies, zu hoch oder zu sonstwas ist. In den Ensembles und Orchestern, in denen ich spiele, habe ich eigentlich noch nie irgendwelche Zickereien erlebt.

Ich denke, das wird umso schlimmer, je mehr davon abhängt an Prestige, beruflichem Vorankommen oder auch an Geld.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon La musicienne » 23.07.2012, 23:35

Irgendwie ist mir bei dieser Problematik auch noch aufgefallen, dass es eigentlich normal ist, dass es in jedem Register einen Stimmführer gibt, der so ein bisschen zeigt "wo´s lang geht". Werden diese Leute in euren Ensembles/Orchestern respektiert, akzeptiert und anerkannt oder eher ignoriert??
Um zu den Flöten zurück zukommen: Ich meine jetzt weniger das Kämpfen um die 1.Stimme, sondern dass man sich nicht gegenseitig "kritisieren" kann, bzw. Hinweise oder Tipps geben kann oder sich absprechen kann, weil sich sonst sofort irgendjemand der Beteiligten angegriffen oder persönlich beleidigt fühlt, obwohl es doch nur um die Musik geht und nicht um die Person an sich. Andere Stimmgruppen gehen da viel offener und lockerer miteinander um.
Also irgendwie sind die Flöten da schon Spezies :mrgreen: :roll:
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon Flutissimo » 24.07.2012, 14:44

La musicienne hat geschrieben:Ich meine jetzt weniger das Kämpfen um die 1.Stimme, sondern dass man sich nicht gegenseitig "kritisieren" kann, bzw. Hinweise oder Tipps geben kann oder sich absprechen kann, weil sich sonst sofort irgendjemand der Beteiligten angegriffen oder persönlich beleidigt fühlt, obwohl es doch nur um die Musik geht und nicht um die Person an sich. Andere Stimmgruppen gehen da viel offener und lockerer miteinander um


...das kommt dann mit einher. Bei dem ein oder anderen kommt mit dem Ehrgeiz auch das Gefühl sich nicht kritisieren lassen zu wollen.

Andererseits habe ich auch schon erlebt, dass Leute von denen man es nicht erwartet hätte, sich für einen Intonationshinweis etc. bedanken und froh über offenen Austausch sind. Man sollte sicher einfach mal versuchen miteinander zu sprechen. Vielleicht sind Ausstrahlung und Verhalten ja nicht so dicht beeinander wie man erwartet. :-)

Im Flötenregister unseres Sinfonieorchesters ist der Umgang weitestgehend sehr entspannt und wir tauschen uns rege aus. Wichtig ist den Streichern zu zeigen was gute Flötisten so können ;-))
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon schraeubchen » 24.07.2012, 14:57

La musicienne hat geschrieben:Irgendwie ist mir bei dieser Problematik auch noch aufgefallen, dass es eigentlich normal ist, dass es in jedem Register einen Stimmführer gibt, der so ein bisschen zeigt "wo´s lang geht". Werden diese Leute in euren Ensembles/Orchestern respektiert, akzeptiert und anerkannt oder eher ignoriert??
Um zu den Flöten zurück zukommen: Ich meine jetzt weniger das Kämpfen um die 1.Stimme, sondern dass man sich nicht gegenseitig "kritisieren" kann, bzw. Hinweise oder Tipps geben kann oder sich absprechen kann, weil sich sonst sofort irgendjemand der Beteiligten angegriffen oder persönlich beleidigt fühlt, obwohl es doch nur um die Musik geht und nicht um die Person an sich. Andere Stimmgruppen gehen da viel offener und lockerer miteinander um.
Also irgendwie sind die Flöten da schon Spezies :mrgreen: :roll:

Ich bin mir nicht sicher, ob es bei der Flöte wirklich nur um die Musik geht.
Nach meiner Erfahrung liegen Flöte spielen und Singen schon sehr nahe bei einander, bzw. ist es bei mir so, daß ich in Gedanken eigentlich immer singe was ich spiele (und meine Lehrerin arbeitet zur Zeit hart daran, das noch zu verstärken).
Also im Idealfall sollte der Flötenton direkt aus dem Bauch heraus kommen.
Obendrein gibt es kein anderes Instrument, das so abstrakt ist. Alle anderen können zumindest auf eine Hand gucken, wenn sie spielen. Wir Flötisten sehen gar nichts. Und bei den anderen Holzblasinstrumenten hat man zumindest noch etwas im Mund, das ist für uns auch Fehlanzeige.
Insofern, bin ich auch der Meinung, daß die Flöte stärker als andere Instrumente eins des Gefühls ist und da wird es dann schon deutlich schwieriger, sich kritisieren zu lassen. Weiter erschwert wird es dadurch, daß in den Symphonieorchestern meist nur maximal drei Stellen / Plätze für Flöten vorhanden sind, aber ziemlich viele Leute Flöte spielen. Da muss der Konkurrenzdruck doch höher sein. Und Kritik kann dann schnell bedeuten, daß man durch jemand besseren ersetzt wird.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon tityre » 24.07.2012, 17:01

Ja, das stimmt. Verstehen tue ich es trotzdem nicht. Ich bin froh, wenn mir einer sagt, dass ich irgendwo was falsch mache, zu tief oder zu hoch bin oder sonstwas.

Ich selber versuche Verbesserungsvorschläge immer seeehr vorsichtig zu verpacken und zwar um so vorsichtiger, je weniger ich die Leute kenne. Unter guten Freunden gehen wir allerdings auch direkter miteinander um.
Ich finde, das hat viel mit Respekt vor dem Mitspieler oder auch dem Schüler zu tun. Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob ich durch die Gegend zische "merkst du nicht, dass du zu tief bist?" oder ob ich frage "wollen wir noch mal stimmen, ich habe das Gefühl, wir sind nicht ganz zusammen".
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon La musicienne » 24.07.2012, 17:44

tityre hat geschrieben:Ja, das stimmt. Verstehen tue ich es trotzdem nicht. Ich bin froh, wenn mir einer sagt, dass ich irgendwo was falsch mache, zu tief oder zu hoch bin oder sonstwas.

Ich selber versuche Verbesserungsvorschläge immer seeehr vorsichtig zu verpacken und zwar um so vorsichtiger, je weniger ich die Leute kenne.
Genau, so gehts mir auch! Ich bin auch froh wenn ich auf Fehler hingewiesen werde. Und ich traue mich mittlerweile kaum mehr, meine Flötenkollegen drauf hinzuweisen. Nur andere Bläser; mit denen ist das überhaupt kein Problem.

tityre hat geschrieben:ich frage "wollen wir noch mal stimmen, ich habe das Gefühl, wir sind nicht ganz zusammen"

Wenn ich sowas sagen würde, ist das schon viel zu viel. Sogar "ich glaub wir sind an dieser Stelle etwas zu leise" hat zur Folge, dass bis heute kein Wort mehr mit mir geredet wird. Auch wenn andere Bläser das zu manchen Flöten sagen, kommt diese Reaktion. Ich bin teilweise echt am verzweifeln, wenn man untereinander nicht die einfachsten Dinge klären kann, sondern warten muss bis der Dirigent sich beschwert. Ich formuliere alles generell nur mit "wir" und würde einen Fehler niemals auf nur eine Person beschränken, auch wenn ich ganz genau weiß, dass nur eine schuld ist in einem bestimmt Fall.
Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass ich mich damit abfinde, wenn irgendwas nicht stimmt und gar nichts mehr sage. Echt schade! :? Manchmal wünsch ich mir echt Harfe oder Tuba zu spielen, da hat man im Orchester keine Kollegen mit dem gleichen Instrument, die einem durch ihre Befindlichkeiten das Leben schwer machen.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon tityre » 24.07.2012, 20:55

La musicienne hat geschrieben: Ich formuliere alles generell nur mit "wir"

:mrgreen: :mrgreen: So mache ich das auch immer.

Aber das schon extrem bei euch. So heftig habe ich das noch nirgendwo erlebt. Wirklich schade.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon piejas » 30.07.2012, 19:44

Eigentlich zählt doch das gemeinsame Ergebnis, und da sollte jede konstruktive Kritik willkommen sein. Aber wenn eine oder einer aus dem Register meint, immer richtig zu spielen, besser zu sein als die anderen und sich auch noch so präsentieren zu müssen, kann es mit der Kommunikation untereinander schwierig werden. Ich denke, dass hat sehr viel mit Konkurrenzdenken zu tun und nicht mehr mit der gemeinsamen Sache Musik zu machen.
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Re: Flötenkollegen

Beitragvon La musicienne » 30.07.2012, 22:16

piejas hat geschrieben:Eigentlich zählt doch das gemeinsame Ergebnis, und da sollte jede konstruktive Kritik willkommen sein.
Ja, finde ich auch! Aber leider nehmen auch Flöten, die sich nicht als was besseres halten, oft keine Kritik an. Und gerade die, die schwächer sind, sind ja allergisch gegen jede Korrektur egal von wem sie kommt (zumindest bei uns).
Naja da gibts wohl keine wirkliche Lösung für das Problem... :?
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