Technik verinnerlichen




Alles was zum Thema Querflöte gehört, aber nirgendwo reinpasst

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Technik verinnerlichen

Beitragvon Quereinsteiger » 01.06.2016, 11:27

Hallo,

nach meinem Thread zum Thema mangelnde Motivation habe ich mich für unser kommendes Konzert am Samstag in Krefeld (wer Interesse hat: in der Dyonisos-Kirche) abgesagt. Da ich auch derzeit die Etüden nicht üben muss, habe ich viel Zeit für die Grundlagen.
Dafür habe ich mir wieder die Moyse-Bücher genommen und mache nun wieder regelmäßig Tonübungen (De la sonorité) und taste mich erneut an seine Technikübungen heran (Exercises Jouranliers). Was mich hierbei stört ist folgendes:
Zu Beginn habe ich die Übungen sehr langsam und bedächtig gespielt und dabei auf einen guten Ton und eine gute Haltung geachtet. Nun wollte ich etwas schneller werden, jedoch fällt mir hierbei auf, dass es mir scheinbar sehr schwer fällt die Tonfolgen zu verinnerlichen. Es fühlt sich z.B. bei den Septimakkorden auf Seite 18 so an, als hätte ich diese nie zuvor gespielt. Platt gesagt: ich bekomme die Tonfolgen nicht in die Finger.

Wie übt ihr so etwas? Spielt ihr das einfach vom Blatt / Buch ab und habt es dann irgendwann drauf, oder habt ihr bestimmte Techniken. Ich bin gestern probehalber die Notenbezeichnung laut durchgegangen, dann im Kopf und habe dann dazu gespielt. Dazu muss ich allerdings seeehr langsam spielen.

Gruß

Marc
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von Anzeige » 01.06.2016, 11:27

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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon cogito » 01.06.2016, 14:15

Moin,

Stellen, wie Läufe oder Arpeggios analysiere ich immer nach ihrer Funktion. Das sind dann letztendlich alles irgendwie Skalen. Das hilft beim Wiedererkennen und dann ist es ein Abrufen von gewohnten Abläufen.
Wenn ich so etwas neu einstudieren muss oder einfach die Stelle uneingängig ist, dann gehe ich folgendermaßen vor:
Zerlegung in kleine Stückchen, ca. 6-8 Noten. Wenn die schwierige Stelle länger ist, dann übe ich in mehreren sich überlappenden Stückchen.
Jedes Stück übe ich mit Metronom und sich steigernder Geschwindigkeit. Ich fange mit einer Geschwindigkeit an, die ich sauber spielen kann und dann spiele ich das Stückchen bis es sechs mal in Folge fehlerfrei geklappt hat. Wenn ich einen Fehler mache, fange ich wieder mit 0 zu zählen an. Wenn es sechs mal geklappt hat, dann stelle ich das Metronom ca. 10BPM schneller bis zur Endgeschwindigkeit.
Da ergibt es sich dann schon mal, dass man eine Stelle über hundert mal gespielt hat, bevor es klappt.
Aber ich merke immer wieder, dass diese Stellen später komplett automatisiert laufen, während ich dann an ursprünglich einfachen Stellen schon mal stolpere.
Wichtig bei dieser Zerstückelung ist, dass man nicht ausschließlich auf Muskelgedächtnis übt, sondern immer auch mitdenkt welche Note das gerade ist. Sonst klappen die Anschlüsse nicht mehr und man fliegt leicht raus, wenn man aus Versehen mal anders in die Stelle einsteigt.
Die Methode hat bei mir noch nie versagt. Ich sitze manchmal ehrfurchtsvoll vor irgendwelchen Takten, die ich glaube nie spielen zu können und zwei, drei Tage später läuft das ganz easy.
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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon Aspi » 01.06.2016, 19:41

Wie cogito schon sagt, uneingängige Stellen in kleine Teile zerlegen, wenn es sein muss, auch mal bloß zwei Töne, bis die richtig sitzen, dann die umliegenden dazu nehmen.
Die Stelle rhythmisch variieren hilft mir auch sehr. Ich brauche generell sehr lange, bis sich Bewegungsabläufe automatisieren, nicht nur beim Musizieren. Da hilft nur dran bleiben und nicht die Lust verlieren.
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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon Sheepy_Hollow » 02.06.2016, 03:54

Hallo Marc,

Exercises Jouranliers übe ich niemals wie von Moyse empfohlen, weil es für längere Übezeiten gedacht ist. Ich picke mir immer eine Tonart raus und spiele dann die entsprechenden Stellen durch (Tonleiter, Dreiklang, Vierklang, Sechsten, Oktaven, etc). Außerdem wurde mir beigebracht alles was schwer ist extrem langsam zu spielen (wie eine Arie). Dabei sollte man die Finger analysieren (welche Wechsel z. B. recht träge sind und ob die Haltung gut ist und ob die Hände und Finger locker sind).

Für fortgeschrittene Flötisten ist es vermutlich trotzdem sinnvoll erstmal "nur" die Tonleitern und Dreiklänge auswendig über den gesamten Tonumfang zu spielen. Hier kann dich auch ein Übeplan unterstützen, weil du nicht täglich ALLE Tonleitern üben musst:

http://www.larrykrantz.com/practice.htm

20 Minuten Tonleitern von 60 Minuten Üben pro Tag sind für Larry Krantz elementar, wobei genaue Zeitangaben mich eher stressen (Gut Ding will Weile haben, aber manchmal beträgt meine Weile halt nur 5 Minuten :lol: ). Tonleitern und Dreiklänge auswendig zu können wird dich extrem weiterbringen. Danach wirst du sehen, dass Mehrklänge gar nicht so abstrakt und schwierig sind. Für mich war das dann eine Sache der Visualisierung (es ist faktisch die Tonleiter zweimal leicht versetzt parallel zu spielen :wink: ).

Grüße

Sheepy
“Faux comme une flûte” est un proverbe musical dès longtemps établi. “Je connais quelque chose de plus faux qu’une flûte, disait Mozart. – C’est? – Deux flûtes.”
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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon minuetto » 02.06.2016, 05:55

Lieber Marc,
ich habe nicht ganz verstanden, ob es "nur" die Finger sind. Kannst Du Dir die jeweiligen Akkorde klanglich vorstellen (vielleicht auch, entsprechend oktaviert, singen) ? Wenn nicht, würde ich auch daran arbeiten (man kann sich die Tonfolgen ja auch ohne Flöte immer wieder mal mental vorstellen (repetitive/"langweilige" Arbeiten eignen sich ganz besonders gut dazu :oops: ) ....). Septimakkorde sind für mich immer auch etwas eine Konzentrationsfrage (wenn ich sehr müde bin, reichts nicht mehr dafür, hingegen immer noch für schnelle Tonleitern oder Terzen).
Wenn Du in letzter Zeit etwas weniger Tonleiterstudien gemacht hast wirst Du vielleicht auch einfach etwas vermehrt Geduld mit Dir haben müssen.
Viel Erfolg. Gruß, minuetto
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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon Quereinsteiger » 02.06.2016, 13:31

Hallo,

um etwas abrufen zu können, muss es ja erstmal gespeichert werden und genau daran scheitert es momentan. Aber ich merke schon, dass ich mich (mal wieder) viel zu sehr unter Druck setze. Schließlich bin ich ja kein Kinder oder Teenager mehr, deren Hirne 3 mal schneller arbeiten als meines. Wie sehr beneide ich manchmal meinen Sohn, der Bewegungsabläufe auf seinem Euphonium nach 1 oder 2 Mal spielen verinnerlicht hat...
Was ich festgestellt habe: ich löse mich mit der Zeit von den Noten und lasse meine Finger einfach laufen. Sobald es dann aber einmal hakt, bin ich komplett raus und muss quasi von vorne beginnen, da ich nicht mehr in den "Lauf" reinkomme.

Die täglichen Übungen von Moyse sind schon extrem zeitraubend, würde ich z.B. wie angedacht in einer Übungssession die Buchstaben ABCD am Stück üben wollen, würde ich sicherlich eine Stunde und mehr brauchen. Vielleicht ist das nicht das Richtige für mich. Ich habe nun 2 Tage lang ein paar Übungen aus dem "Gammes et Arpeges" gemacht (aber nur für die Tonart des Vortragsstücks) und habe beim Üben des Vorspielstücks schon gemerkt, dass mich das weiterbringt.
In der nächsten Zeit werde ich wohl damit weiterüben, denn Jennifer Cluff schreibt auf ihrer Seite ja auch wie elementar wichtig das Beherrschen der Tonleitern ist.
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Re: Technik verinnerlichen

Beitragvon Quereinsteiger » 22.06.2016, 11:28

Hallo,

wie ich ja schon festgestellt habe, sind die Exercises Journaliers von Moyse zu schwer für mich. Allerdings bin ich vom Aufbau der Übungen sehr angetan, weil man damit einfach alles abdeckt und gleich einen Plan mit an die Hand bekommt (ich bin bei sowas furchtbar unkreativ :( ).
Nun habe ich auf der Seite von Jennifer Cluff 3 PDF-Dateien gefunden, in denen sie die Exercises Journaliers auf das Niveau von Anfängern und Fortgeschrittenen runtergebrochen hat. Dem werde ich mich dann in den kommenden unterrichtsfreien Wochen (vorzeitige Semesterferien) widmen.

http://jennifercluff.blogspot.de/2011/09/james-galways-morning-scale-class.html

Über diesen Link bin ich an die Dateien gekommen. Wenn man das Moyse-Buch hat, kann man gut erkennen, dass sie sich an die Reihenfolge (inkl. der Buchstaben) gehalten hat. Somit kann man den Übungsplan von Moyse beibehalten, hat jedoch deutlich leichtere Übungen.

Gruß

Marc
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