Erfahrungen mit Powell-Flöten




Was sind die besten Flöten? Auf welchen spielt ihr? Auf welcher würdet ihr gerne mal spielen?

Moderator: Altetröte

Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Altetröte » 14.07.2015, 22:03

Ich könnte noch ein Lafinköpfchen einwerfen :mrgreen:
"Ihr wisset, dass ich die blasenden Instrumentalisten nicht leiden kann, denn sie blasen alle falsch"

Alessandro Scarlatti (zu Johann Joachim Quantz)

Pearl Silberflöte 765 RE Quantz - Mehnert Flöte
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon tityre » 15.07.2015, 01:50

Hach....Mancke Köpfchen mit güldenem Mateki Schräubchen...so wird's ein Träumchen :D
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Jenna1807 » 15.07.2015, 15:09

Vorsicht Flutissimo, ich bin sozusagen schon im Anflug :D
Mancke ist auch toll.
Ihr wollt mich aber nicht veräppeln, oder??? :twisted:
Da ist ja auch Ende offen :lol:
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon tityre » 15.07.2015, 18:05

Also Jenna, Du kennst uns doch! :D
veräppeln? Wir doch nicht :D

Nee, aber im Ernst. Kauf das Ding nicht blind. Du musst es auf Deiner Flöte gespielt haben, bevor Du entscheidest.

Ich hätte hier übrigens noch einen unbenutzten Muramatsu Kopf, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass der gut zu Yamaha passt. Nur, falls das auch eine Option wäre.

Du hast natürlich recht, so ein Mancke Kopf ist teuer, aber ich finde, dass der, den ich z.B. habe, zu den Köpfen gehört, die es einem leichter machen. Gerade, wenn man nicht mehr 20 ist, für mich ein starkes Argument. Ich habe nicht mehr ewig Zeit und nutze deswegen jede Erleichterung, die ich kriegen kann.

Übrigens nett, mal wieder von Dir zu lesen. :)
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Jenna1807 » 15.07.2015, 19:09

Das mit dem Kopf war im anderen Thread. Aber wurscht.
Habe den Kopf angespielt. NOOOOO GO :lol:
Ich habe ja Geburtstag und da schaue ich bei Flutissimo vorbei.
Habe mich ja etwas eingelesen und hätte gerne einen Kopf, der mir ein lauteres Spielen ermöglicht.
Ich habe im Oktober zu unserem alljährlichen Konzert diverse Solos und das ist in einem Blasorchester ( unter anderem zehn Sax und acht Trompeten!!!) Echt hard core.
Ein Mikro wäre zur Not auch noch drin.
Darf ich fragen, was so ein Mancke Kopf kostet? Was war dir wichtig, was er verbessern sollte?
Stimmt, in unserem Alter müssen wir pimpen was geht :lol:
Wäre gerne öfters hier. Aber die Zeit, die Zeit....
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon tityre » 15.07.2015, 20:44

Tja, ich werde eben schusselig.

Gerade, wenn es um lauter werden geht, finde ich Mancke nicht verkehr, aber Flutissimo hat sicher auch noch die ein oder andere gute Idee.

Du hast eine PN.
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon James Blond » 21.07.2015, 17:59

Ich habe etwas gezögert, hier einen Beitrag zu veröffentlichen, obwohl ich seit ca. einem Jahr glücklicher Besitzer einer gebrauchten Powell Flöte bin:

Das Model der Reihe 'Handmade Custom Metal Flute' (Aurumite14k with silver keys, soldered tone holes, .014" tubing, Modern Powell Scale, A-444, French cups, B foot with gizmo, in-line G, split-E, D# roller) gehört zur Spitzenreihe des Herstellers und bietet neben der soliden Verarbeitung einen bezaubernden Klang, wie ich finde.

Allerdings habe ich auch das ganze vergangene Jahr gebraucht, mich seinen Möglichkeiten zu nähern, obwohl ich bereits seit längerem eine bauähnliche Flöte spielte. Das mag vielleicht das Charakteristische an solchen Meisterflöten sein, dass ihre Möglichkeiten nicht so schnell erschöpft sind und man sich daran auch nach vielen Jahren noch verbessern kann.

Auf der anderen Seite macht dies eine Kaufentscheidung trotz intensiven Probierens nicht leichter, ich habe mir die Flöte zwar genau angeschaut, konnte aber ihr Potential zum Kaufzeitpunkt nicht voll ermessen. Ich habe sie mir vom Vorbesitzer anspielen lassen, ohne dass sie mich auf Anhieb überzeugt hätte.

Auch bin ich weit davon entfernt, nun das hohe Lied auf Powell zu flöten, dazu gibt es einfach zu viele ausgezeichnete Marken. Zwar klingen viele Flöten anders - aber nicht schlechter und dann sollte besser der eigene Geschmack entscheiden, bzw. die eigene Idee vom schönen Ton, die sich vermutlich im Laufe der Jahre auch wieder verändert. Und selten wird es eine Flöte geben, die allen Vorstellungen zugleich gerecht wird.

Darum würde ich mich besser nicht auf eine Marke versteifen, sondern immer schauen, wo es ein gebrauchtes Spitzenmodell günstig zu erwerben gibt und ausprobieren, ob es eine große Liebe werden könnte. Das muss nicht die Liebe auf den ersten Ton sein, aber man kann den Spitzenmodellen schon ein gewisses Vertrauen entgegen bringen, dass sie auch später nicht enttäuschen werden.

Was den "anspruchsvollen" Ansatz einer Meisterflöte anbelangt, so kann ich dies nicht bestätigen. Zumindest meine Powell spricht in allen Lagen leicht an, wenn man sich allerdings einen guten Ansatz erarbeitet, so wird das auch belohnt. Auch wenn ich viel Jazz spiele, würde ich nicht sagen, dies wäre eine klassische Flöte oder eine für den Jazz - es hängt sehr viel mehr vom eigenen Ansatz ab, was dabei herauskommt, sie macht alles mit.
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Jenna1807 » 25.07.2015, 08:26

Hallo James Blond!
Schön, dass du nicht länger gezögert hast.
Da spielst du ja schon ein "nettes" Flötchen :wink:
Ich gehe mal davon aus, dass du dich zumindest im Semi-Profi Bereich herumtreibst. Da macht eine solche Flöte wirklich schon Sinn.
Bei mir ist es ja eher ein schöner Wunsch, alles andere wäre wirklich Perle vor die Säue geschmissen :lol:
Es ist und bleibt ein Hobby, das ich auch erst seeeehr spät angefangen habe.
Selbst nach fünf Jahren spiele ich für meine Begriffe "ganz nett" und bewundere nach wie vor die Engelsgeduld und Begeisterung meiner Lehrerin.
Die Finger sind zu lahm und das Gehirn hat eine längere Leitung zu den Fingern. Alles nicht so dolle, aber es macht Spaß.
Selbst gebraucht sind diese Flöten für mich nicht erschwinglich und ich möchte mal schauen und hören wie die Unterschiede bei den Köpfen so sind.
Tut sich da so gut wie nichts bleibe ich bei meinem Yamahakopf. Schließlich ist meine Diva ja auch nicht gerade ein Billigmodell, wie mir meine Lehrerin immer wieder
beweist, wenn sie auf ihr spielt.
LG
Jenna
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Altepic » 13.05.2018, 01:04

Ich möchte jetzt zu dem alten Thread auch noch meinen Senf dzu geben.....
Vorgeschichte:
ich spiele seit 26 Jahren ein Ymaha 471 mit EC- Kopfstück.
das Kopfstück, was ab der YFL 571 verkauft wurde.

Letztes Jahr habe ich ein Powell Aurumite Kopfstück 9k gekauft. Die Veränderung im Klang und der Ansprache und Modulation war umwerfend.
Allerdings hat es intensives Training erfordert.
Anfangs waren meine Lippen nach 40 Min. spielen fertig.
Ich brauche auch mehr Luft zum spielen.
Der Sound und die Möglichkeiten mit dem Kopfstück sind aber unglaublich.

Seit 8 Wochen spiele ich nun eine Powell 2100 - 15 Jahre alt, mit dem Aurumite Kopfstück und h-Fuss.
Ich bin begeistert, was sich da für Möglichkeiten auftun.....
Der Klang ist für mich super, die Mechanik ist mit meiner Yamaha 471 nicht vergleichbar. Ich bekomme schnelle Läufe und Oktavsprünge viel leichter und sauberer hin, etc...
Ich sag es mal so...

Altersbedingt werde ich kein Profiflötist mehr.
Ich suche seit 3 Jahren nach einer Vollsilberflöte mit h-fuss
10.000 € kann und möchte ich für mein Hobby nicht bezahlen
Nach über 40 Jahren Querflöte habe ich schon einige Marken ausprobiert und weiss zumindest, welche mir nicht liegen.
Ich würde sagen, ich hab mein Instrument gefunden....
... und als gebrauchtes recht preiswert,.
Konnte natürlich nicht wie bei Flutissimo alle Marken einer Preisklasse durchprobieren.
Habe ein gebrauchtes Instrument.
Damit bin ich aber höchst zufrieden.

Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob andere Flöten in dem Preisbereich leichter zu spielen sind.
Meiner Einschätzung nach sind Powell Flöten nicht für Anfänger geeignet.

...und wer nicht unbedingt ein neues Instrument braucht und über Internet mit Geduld über das Angebot von gebrauchten Flöten recherchieren kann, auch so "seine" Flöte finden

LG Altepic.

p.s. Meine Mönnig Pikkolo hab ich für weniger als den Silberpreis erworben. Nach der Generalüberholung lag meine Investition bei ca. 900 €
Derzeit wird eine Mönnig Vollsilber Pikkolo für ca. 1500€ im Netz angeboten - das ist ein reeller Wert für die Qualität - da kommt die Generalüberholung noch dazu (ca. 700 €)
... Könnte allmählich als Gutachter für gebrauchte Flöten arbeiten. :D

LG Altepic
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Sheepy_Hollow » 13.05.2018, 18:02

Danke Altepic für das Aufwärmen eines alten Threads. Es ist total spannend zu lesen, was ihr so berichtet und wenn ich meine eigenen Beiträge lese, muss ich mittlerweile schmunzeln bzw. vielleicht sogar den Kopf schütteln :D

Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine weitere Powell-Geschichte hier gepostet habe, deshalb meine 2 Cent:

Mit meiner Powell-Vollsilberflöte wurde ich nach und nach unzufriedener. Die Generalüberholung war anfangs zwar gut, aber die Polster haben mit der Zeit immer wieder nicht gedeckt und selbst Herr Uesawa hat das nicht mehr gut hinbekommen und er ist der beste Polsterer, den ich kenne. Auch der Generalvertreter aus Deutschland nannte mein Flötchen einen "Alten Knochen". Die Einschätzung war, dass die Mechanik sich einfach selbst verstellt. Bei einer 40 Jahre alten Flöte kein Wunder (zumal dieses Modell damals nicht mit Spitzdeckeln ausgestattet wurde).

Die nächste Baustelle - neben der Mechanik - stellte der Flötenkopf dar. Mit der Zeit habe ich beinahe einen Hass aufgebaut, weil er einfach gar nichts verziehen hat. Natürlich trägt hier auch der schlechte Zustand der Polsterung bei, aber der Schnitt war für mich nicht geeignet. Für die Kenner unter euch; es handelt sich um einen Kopf mit leicht gewölbter Mundlochplatte, ähnlich wie bei manchen Sankyoflöten. Mit dieser Wölbung komme ich nicht klar. Vermutlich aufgrund meiner eigenen Anatomie. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich einen Brannen-Vollsilberkopf mit 14k-Goldkamin für umwerfende 800 € kaufen (wieder für die Kenner: der Kopf war mit E.W. signiert :wink: ). Ein tolles Ding. Allerdings habe ich anfangs nicht kapiert, warum die Flöte nun immer noch nicht perfekt für mich war: Es klang und fühlte sich an, wie einen Trabbi mit Ferrari-Motor zu fahren. Der Körper hat den umwerfenden Kopf gebremst.

Als ich zwischendurch meine alte, gammlige Yamaha 211 angespielt habe, hatte ich mich entschlossen, mein "Leid" endlich zu beenden. Komme was wolle. Ich habe also alle Flöten inseriert, die ich besaß: Eine Yamaha 311, eine Yamaha 211, einen Extra H-Fuß für die Yamaha und meine Powell. Alles verkaufte sich quasi über Nacht und von dem Geld habe ich mir eine Yamaha 271 gekauft und damit im Orchester gespielt. Alles? Nein die Powell wollte sich nicht recht verkaufen. Habe ich erwähnt, dass sie Inline gebaut wurde? Also habe ich erst den Kopf verkauft (mit Gewinn :wink: ) und die Flöte habe ich an die Holzbläser in Berlin zur Kommission gegeben. Sie haben die Flöte noch mal durch die eigene Werkstatt gejagt und somit das bestmögliche rausgeholt. Der Verkauf fand tatsächlich Mitte 2016 statt. Hiermit einen riesen Dank an die Holzbläser :!:

Tja, da stand ich nun im Orchester und habe mit einer Yamaha 271 Nikolay Rimsky-Korsakovs' Scheherazade gespielt. Langsam merkte ich, dass ich doch ganz gut intonieren kann und dass mein Klang gar nicht so übel ist. Meine Angst vor der tiefen Lage wandelte sich langsam in Respekt um und ich konnte mich einfach wieder auf die Musik konzentrieren. Mein Selbstvertrauen stieg und mein Ehrgeiz ebenfalls. Nachdem ich dann die Pavane mit der 271er gespielt habe (ja, jetzt oute ich mich auch mal):

https://www.youtube.com/watch?v=miI6wi6T968

stieß ich erneut an die Grenzen des Möglichen. Die Mechanik ist zu schwerfällig und die Polster vom Fußstück deckten einfach überhaupt nicht (man hört es auch im Konzert). Also bin ich, langsam mit viel Zeit, auf die Suche nach einer Flöte gegangen. Mein Entschluss stand fest: Ein Auto brauche ich nicht, eine Familie gründe ich nicht, ein Haus baue ich nicht, also kaufe ich mir eine super teure Flöte. Ich habe also unzählige Flöten in meiner Umgebung getestet (mein Anspruch war Vollsilber und nichts darunter). Besonders Mechanik und Intonation waren mir wichtig, alles andere kann man ggf. später ändern. Also probierte ich mich durch unzählige Pearls, Yamahas, Powells, Burkarts und Altus. Ich glaube auch eine Miyazawa getestet zu haben, aber die war in einem schlechten Zustand, als ich sie probierte (wie übrigens jede einzelne Miyazawa, die ich jemals von einem Händler getestet habe: Schämt euch Flutissimo, sogar eure Miyazawa deckte nicht richtig (Flötenfestival 2017!!!). Wobei eure Miyazawa ja noch super war im Vergleich zu dem ärmlichen Flötchen, das man beim Hieber Lindberg in München testen konnte).

Ich landete bei dem Ergebnis, dass die Mechanik von Burkart, Powell und Altus meinen Ansprüchen entspricht und bin wieder zum Flöten Haber nach München gefahren. Dort habe ich die Altus sofort ausgeschlossen, weil die Mechanik beim direkten Vergleich nicht mithalten konnte. Böse Menschen könnten unterstellen, dass das Kalkül ist, aber wer ist schon so böse :wink: . Jetzt möchte ich anmerken, dass ich immer noch ein Grünschnabel war (bin :wink: ) und deshalb nicht alleine hätte testen sollen. Gut, ich hatte einen Freund dabei, der kein Instrument spielt. Herr Haber und er kamen beide zum gleichen Ergebnis: Den schönsten Klang erzielte ich für beide auf den Powell-Flöten. Ich habe mich aber auf Anhieb in eine Burkartflöte verliebt, weil die Mechanik perfekt zu meinen großen Händen passt und weil die Ansprache und die Intonation tausendmal besser für mich steuerbar waren, als auf allen anderen Flöten. Also bin ich mit einer Orchesterfreundin, die hervorragend spielt, erneut zum Direktvergleich Powell-Burkart gefahren und wir haben uns durch unzählige Powell-Köpfe probiert (wahrscheinlich alle, die vorrätig waren :D ). Mein persönliches Problem mit Powell war, dass sie mich zurückhält und unglaublich schwerfällig artikuliert. Die Burkart hingegen ist wie ein umgezäuntes Pferd für mich gewesen. Meine Freundin warnte mich auch, dass man lernen muss, sie zu beherrschen, weil sie alles mitmacht, aber gefühlt 100fach verstärkt.

Hier endet die eigentliche Powell-Geschichte. Mein Zwischenfazit ist, dass Powell-Flöten Charakterflöten sind. Das muss einfach passen. Es handelt sich nicht um eine Muramatsu, die fast jeder gut spielen kann...

Nachdem ich eine Woche darüber geschlafen hatte, habe ich mir die Burkart-Flöte gekauft. Das war Mitte Januar 2016. Jetzt bin ich immer noch erstaunt, was diese Flöte alles kann. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Wer Flöte professionell spielt oder spielen möchte, sollte sich nicht von meinem Bericht beraten fühlen, eine Burkart zu kaufen. Die Mechanik ist zwar besser als die von Muramatsu, aber es geht besser (z. B. Brannen). Meinen Eindruck habe ich mir von Herrn Uesawa bestätigen lassen.
Die Köpfe von Burkart lassen sich leicht spielen. Wer aber einen extra guten Klang möchte, muss sich anders umsehen. Das bestätigt ebenfalls meine Zuhörer, die meinten, dass ich auf "Powell" besser klinge. Ich habe neulich einen 14k-Lafin-Kopf mit Platinkamin auf meine Flöte gesteckt und war überwältigt. Der kostet aber fast so viel, wie meine Flöte.
Ich spiele quasi semi-professionell, weil ich bei einer Professorin Intensivunterricht hatte und Meisterkurse besucht habe. Mir fehlt aber ein echtes Studium. Solange ich 1-2 h üben pro Tag nicht überschreite, werde ich die Fähigkeiten einer noch besseren Flöte nicht nutzen können. Deshalb bleibt meine Burkart erste Wahl :D .

Endfazit: Etwas was ich hier mittlerweile vehement verteidige (das geht jetzt besonders an alle Flötennerds, die wie ich vom Flötenkauf nicht genug bekommen können) ist, dass man sich extrem viel Zeit für den Neukauf lassen sollte. Mit extrem viel Zeit meine ich Jahre. Bestenfalls nicht nur 2. Wenn man also langsam erkennt, dass es an der Zeit für eine neue Flöte ist, dann sollte man einfach alles testen, was man in die Finger bekommt. Hier ist der Extraschritt ratsam zu Festivals, Messen, Bertram, Flutissimo oder Adams. Nur so bekommt man einen echten Überblick darüber, was möglich ist. Ich habe am Flötenfestival 2017 bestimmt alle Goldflöten getestet, die dort angeboten wurden. Basis des ganzen ist ein extrem guter Lehrer des Vertrauens, der einem sagen und vormachen kann, was auf der Flöte alles möglich ist. Und: wer nicht in Topform beim Flötenkauf ist, sollte keine Flöte kaufen. Ist das jedem bewusst? Mir war es nicht bewusst :D

Also habt Spaß, träumt von eurer "Traumflöte", aber seid realistisch, wenn es ans eingemachte geht.

LG

Sheepy

PS: Wenn ich mir endlich wieder viel Zeit nehmen kann und ich das nötige Geld zusammen gekratzt habe, werde ich eventuell auf Gold umsteigen. Meine Lehrerin hat mir das ebenfalls empfohlen unter der Prämisse, dass ich mich vorher in Topform bringe, bevor ich teste und entscheide :D . Rainer, ich komme :!:
“Faux comme une flûte” est un proverbe musical dès longtemps établi. “Je connais quelque chose de plus faux qu’une flûte, disait Mozart. – C’est? – Deux flûtes.”
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon James Blond » 25.05.2018, 00:06

Hallo ihr beiden,

habt vielen Dank für Eure ausführlichen Erfahrungsberichte im Einsatz der Powellflöten. Eigentlich wäre dies ja auch genau mein Thema, wenn ich nur etwas mehr Erfahrungen mit anderen Modellen einbringen könnte. Aber ich habe zuvor lange Jahre mit einer Gemeinhardt Flöte verbracht, die insgesamt - entgegen ihrem Ruf- nicht schlecht klang, mich allerdings in den tiefen Tönen am Fuß ebenfalls oft im Stich ließ, und das selbst noch nach einer Generalüberholung. Erst als ich einige Zeit während der Aufbewahrung die Dis-Klappe mit einem Gummmistück etwas unter Druck setzte und so für eine bessere Abdichtung sorgte, verbesserte sich die Anspielbarkeit von d',c' und h', aber leicht und schnell ging es eigentlich nie. Das hat sich mit der Powell gründlich geändert, mittlerweile kommt bis hinunter zum h' ein satter, etwas kerniger Ton ohne größere Schwierigkeiten.

Insofern kann ich auch Sheepy's Gefühle nachvollziehen: Als die tiefen Töne in dieser sonst so schön vorgetragenen Pavane ausblieben, wird er wohl Blut & Wasser geschwitzt haben - dennoch eine schöne Aufnahme, auch wenn nicht alles perfekt lief. Dankeschön für das "Outing"! :)

Ich spiele nun seit fast 4 Jahren auf der Powell und kann die von meinen Vorgängern berichteten Schwierigkeiten bei der Umstellung des Ansatzes eigentlich nicht bestätigen. Allerdings hat es länger gedauert, das Potential der Flöte zu erschließen, genau genommen dauert es immer noch. Erst seit kurzem begann ich mit schnelleren Übungen, 16tel schrittweise von 80 bis 120 bpm, gebunden, aber auch einzeln gestoßen, für mich eine äußerst schwierige und zeitraubende Angelegenheit, denn meine ungeübte und etwas träge Zunge liegt dabei wie Blei im Mund. Im Vergleich der Powell zur Gemeinhardt merke ich aber einen entscheidenden Unterschied: Die Arpeggios "perlen" von selbst, die Töne verwischen nicht, sondern bleiben akzentuiert - und die Mechanik ist dabei (fast) nicht zu hören.

Ganz von selbst habe ich mit der Powell im Ansatz stets den präziseren Ton gesucht, spiele nun gern "auf Messers Schneide", was sicher nicht jedermanns Geschmack ist, dem Jazz ist der schärfere Klang allerdings öfters willkommen. Ich stelle zur Verdeutlichung hier einmal ein Soundbeispiel ein, dem ich zusätzlich die Mitten ( 0,3 - 2 kHz) noch entzogen und die Höhen (2 - 8 kHz) deutlich erhöht habe.

Mir ist bei der Powell aufgefallen, dass sich mit dem präziseren Ansatz auch die Stütze verbesserte und Intonationsprobleme sich minimiert haben. Insofern denke ich, dass die Flöte für einen solchen Ansatz auch gemacht ist und kann nur bestätigen, dass sich das Potential einer Powell erst nach und nach erschließt, was eine Kaufentscheidung leider nicht einfacher macht. Als Ausweg bleibt, ein gebrauchtes Modell über einen längeren Zeitraum zu spielen und es, falls daraus doch keine große Liebe wird, mit einem geringerem Verlust wieder zu veräußern.

Grüße
JB
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Querflöten » 20.06.2018, 17:23

Ich bin begeisterte Besitzerin von 2 Powell-Sonare-Flöten: Einmal eine Altflöte, dann eine Silberrohr-Flöte mit H-Fuß.

Mit beiden hatte ich (bzw. hab ich immer noch etwas - vor allem die H-Fuß-Flöte) die Schwierigkeit, dass sich beim Zusammenschrauben das Fuß-Stück verharkt. - Ich machte dann leider den Fehler und nahm Korkfett, das ja eigentlich nur für Piccolos bestimmt ist. - Ich suchte dann Rat in einem Forum und man sagte mir, ich soll lediglich ein weiches Poliertuch nehmen und die Verbindungsenden damit verstärkt polieren. Das tat ich, und bei der Altflöte geht es jetzt schon ganz gut. - Die H-Fuß-Flöte spiele ich (noch) zu wenig, die ist da bis jetzt (noch) etwas schwerfälliger.

Was aber den Ton angeht, sind BEIDE Flöten S U P E R - sie haben einen wunderschönen, warmen und dabei doch weit tragenden Klang, und ich bin wirklich begeistert!

Dann habe ich noch eine Vollsilber-ALTUS, die ich immer für meine Auftritte nehme.

Meine Yamaha-Silberkopf nehme ich, wenn meine ALTUS mal zur Überholung fort ist, und dann hab ich noch meine aller erste, die Yamaha 211 und ein Yamaha-Piccolo aus Kunststoff mit Metallkopf.
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon James Blond » 21.06.2018, 23:08

Querflöten hat geschrieben:Ich bin begeisterte Besitzerin von 2 Powell-Sonare-Flöten: Einmal eine Altflöte, dann eine Silberrohr-Flöte mit H-Fuß.


Was für ein Modell ist deine Altquerflöte? Silberkopf? Wie gut ist die Mechanik?

Gruß
JB
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Querflöten » 23.06.2018, 01:19

Also:

Die Altflöte:

Sonaré - Silberrohr - Handmade - OHNE E-Mechanik

H-Fuß-Flöte:

Sonaré - Silberrohr - offset-G - E-Mechanik - Ringklappen mit Stöpsel (da ich SEHR kurze Finger habe) - Spitzdeckel
Flötenkopf - ebenfalls Sonaré aber für Mod. 707 (Flöte Mod. 705) mit Goldmundlochplatte.

Beides gab es für ein Super Sonderangebot, da beide Vorführflöten waren.

Wie oben schon gesagt, sie haben beide einen wunderschönen warmen weichen Klang - zum Dahinschmelzen........ :D
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Re: Erfahrungen mit Powell-Flöten

Beitragvon Sheepy_Hollow » 23.06.2018, 11:44

Ich hatte damals den Eindruck, dass die hohe Lage leicht und die tiefe Lage eher schwer zu spielen war (ich habe 3 Jahre eine 705 ohne E-Mechanik gespielt). Somit wirkt der Klang weicher. Die Mechanik war alles andere als gut; sie war nach 3 Jahren schon extrem reparaturbedürftig und Herr Haber, der diese Flöten eigentlich verkauft, war ebenfalls sichtlich unangetan. Er hat die Flöte nicht gut hinbekommen; extrem viel Spiel auf den Achsen, was man eventuell mit einer Generalüberholung hinbekommen hätte und die Polster haben einfach nicht decken wollen... Außerdem hat sich erster Grünspan auf den Achsenröhrchen gebildet, was nach 3 Jahren inakzeptabel ist. Ich habe zwar ätzenden Schweiß, aber meine Yamaha 211 hat erst nach 8 Jahren Grünspan bekommen und das nur auf dem Flötenrohr. Die Mechanik war weit zuverlässiger!

Zusammenfassung:

- Schlechte Versilberung der Mechanik
- Schlechte Mechanik
- keine hochwertigen Polster

Eine Orchesterkollegin spielt gerade auf einer Sonaré der 600er-Serie. Sie klingt gut darauf, aber der Powell-Klang ist nicht ganz mein Bier :lol: .

Wer unbedingt eine billige Powell will, bekommt hier eine billige Powell! (Wobei viele Powell-Artists betonen, dass Sonaré nicht Powell ist)

LG
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