Powell PS-705 BEF Aurumite




Was sind die besten Flöten? Auf welchen spielt ihr? Auf welcher würdet ihr gerne mal spielen?

Moderator: Altetröte

Powell PS-705 BEF Aurumite

Beitragvon Eleya » 24.03.2020, 19:08

Ich habe dieses Jahr auf dem Blasmusikkongress in Neu-Ulm einige Flöten angespielt, unter anderem die Powell PS-705 BEF Aurumite. Seitdem schwirrt mir die Flöte im Kopf herum. Ich spiele noch immer eine Schülerflöte von Yamaha und möchte mir eine neue Flöte zulegen. Bei uns im Orchester spielt keiner eine Powell, wie sind denn hier die Meinungen zu einer Flöte von Powell? :)
Eleya
 
Beiträge: 2
Registriert: 24.03.2020, 19:02

von Anzeige » 24.03.2020, 19:08

Anzeige
 

Re: Powell PS-705 BEF Aurumite

Beitragvon Sheepy_Hollow » 24.03.2020, 19:57

Hi Eleya,

die genannte Flöte ist keine echte Powell-Flöte, sondern eine Sonaré-Flöte. Es handelt sich um ein "handgefertigtes Powell Kopfstück mit einem mittelpreisigen [Sonaré] Flötenkorpus", der - soweit ich es weiß - maschinell in Masse hergestellt wird. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, solltest du aber in das Preis-Leistungs-Gefühl mit einfließen lassen.

Ich hatte eine der ersten Sonare 705er Flöten, deren Polster nicht gut zu regulieren waren. Die hohe Lage klang schön, aber die tiefe Lage konnte man aufgrund er nicht gut deckenden Polster nicht verlässlich schön spielen. Du findest auch allerhand Foreneinträge, die sich deshalb negativ gegnüber Powell und deren Tochterfirma Sonaré äußern. Ich gehe davon aus, dass sie das Problem - gerade bei Mittelklasseflöten - (noch) nicht in den Griff bekommen haben. Dafür spricht auch die Übernahme von Powell durch Buffet, die die Preise hochgeschraubt aber die Qualität nicht verbessert haben. Stattdessen fließen hohe Geldsummen in Marketing statt in Verbesserung der Produktion. Meine Vollsilber-Powell hatte jedenfalls das ähnliche Problem: neu generalüberholt und zweimal nachreguliert und immer wieder trat das Phänomen auf, dass Polster einfach nach kurzer Zeit nicht decken. Bei Muramatsu und Brannen haben sie das Problem augenscheinlich besser im Griff.

Ich habe außerdem von meiner Professorin gehört, dass Aurumite nicht so toll ist; auf Dauer klanglich unbefriedigend. Außerdem bekommst du keine Goldflöte, sondern eine dickere Vergoldung, die sich aber rein wissenschaftlich betrachtet nicht auf den Flötenklang auswirken kann, da die Goldschicht außen ist! Da kannst du genausogut eine 705er ohne Goldschicht nehmen und dir das restliche Geld sparen. Lass dich nicht vom Gold blenden. Oft werden Flöten mit Goldanteil so gebaut, dass sie leise und dumpf klingen.

Meiner Meinung nach sollte man sein Geld lieber in Handarbeit stecken, statt in Edelmetall: Lieber handgemacht und Neusilber (versilbert), statt Goldanteile ohne Handarbeit. Bei dem Preis bekommst du sooo tolle Alternativen, die wenn du Preise vergleichst nicht viel teuerer sind. Z. B.:

- Altus 807 oder 907: Ganz tolle Flöten, die bei extrem vielen Profis beliebt sind und im Orchester einen tollen Klang haben. Zwei Orchesterkollegen spielen Altus (eine 907, der andere 1007 (Silberrohr)).
- Mateki Mo31: Mateki soll einen ganz wunderbaren Kammerklang erzeugen. Leider konnte ich nie eine testen.
- Miyazawa 202: Eine so tolle Flöte, besonders für Orchester als ambitionierter Laie. Total unteschätzt und spielt viel toller als die Vollsilberflöten von Miyazawa.
(- Muramatsu EX: hier wird's preislich eng. Gebraucht wäre aber immer eine Option. Silbernen oder versilberten Muras kann man nie etwas falsch machen!)
- Pearl Cantabile mit Forte-Kopfstück: Klingt wahnsinnig gut und spielt sich super. Die Mechanik ist allerdings recht wartungsintensiv.
- Sankyo 201: Super beliebt in Deutschland und Frankreich, besonders bei Flötenstudenten (und denen, die es werden wollen).
Achte hier aber auf die Kopfstücke; viel zu schnell lassen sich Schüler von den Vorzügen der Sankyo-Kopfstücke mit der Nummer 1 im Namen blenden (bevorzugt und verbessert das tiefe Register auf Kosten der anderen zwei Register). Wir spielen aber in der Anwendung meistens das mittlere und hohe Register, also sollten die auch gut/interessant/farbig klingen.

Am Ende musst allerdings du mit deiner Flöte glücklich und zufrieden sein. Da hilft dir auch keine Meinung aus dem Forum :wink: . Nimm' dich mit den Flöten der engeren Wahl auf und höre es dir an. Nimm' vielleicht auch einen Profi mit zum Testen. Ich habe meiner Professorin Mancke-Kopfstücke gezeigt und wir kamen am Ende zum Schluss, dass die einfach nix für mich sind. Ihre Meinung war im wahrsten Sinne Gold wert, denn ich habe kein weiteres Geld unnötig ausgegeben. Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du deine finale Auswahl mindestens eine Woche daheim testen, bevor du sie kaufst. Dann kannst du sie dem Alltagstest unterziehen :D .

Viel Spaß beim Flötenkauf und halte uns gerne auf dem Laufenden. Wir hören uns auch gerne Aufnahmen an :)

LG

Sheepy
“Faux comme une flûte” est un proverbe musical dès longtemps établi. “Je connais quelque chose de plus faux qu’une flûte, disait Mozart. – C’est? – Deux flûtes.”
Benutzeravatar
Sheepy_Hollow
 
Beiträge: 323
Registriert: 03.06.2012, 18:49
Wohnort: München

Re: Powell PS-705 BEF Aurumite

Beitragvon Eleya » 24.03.2020, 21:11

Hallo Sheepy,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort, auf so etwas habe ich gehofft, ich werde natürlich auch nochmals mehrere ausprobieren und anspielen.
Mit Altus-Flöten kam ich leider überhaupt nicht zurecht und der klang der Yamahaflöten war ok, aber nicht das, was ich wollte. Leider wird sich dieses Thema noch etwas hinziehen durch die momentane Lage, aber ansich ist es auch nicht so dringend, für das nächste Konzertprogramm benötige ich eh nur meine Piccoloflöte.
Durch das aussehen habe ich mich auch nicht leiten lassen, mag das ansich nicht so mit dem roseton aber ich fandund auch die, die mit mir dort waren, dass diese sich tatsächlich anders angehört hat, wie dir rein silberne.
Mal schauen, worauf schlussendlich meine Wahl fällt :)
Eleya
 
Beiträge: 2
Registriert: 24.03.2020, 19:02

Re: Powell PS-705 BEF Aurumite

Beitragvon Altepic » 24.03.2020, 22:13

Hallo Eleya,
ich spiele eine Powell 2100 (17 Jahre alt) mit dem 3100 Aurumite Kopfstück 9 karat)
Das ist für mich so ungefähr die Erfüllung meines Traums von einer wirklich guten Flöte!!

Ich habe das Aurumite Kopfstück auch auf meiner Yamaha 471 gespielt und sie klang ganz neu und ich hatte plötzlich ganz andere Möglichkeiten zu spielen! Ich habe jetzt das 2100 Kopfstück auf der Yamaha. Klanglich und von der Ansprache kann ich ehrlich keinen Unterschied zwischen den beiden feststellen. Sie sind aber wohl beide hochwertiger als das sonare Kopfstück gearbeitet.

Ich gebe Sheepy recht!
Die Sonaré Flöten entsprechen bis auf das Kopfstück allen anderen Mittelklasse Flöten. Da musst Du die Richtige selber rausfinden!!

Mein Flötenlehrer (Orchestermusiker) sucht derzeit auch für eine Schülerin so ein Modell. Letztendlich ist er von keiner Flöte in dem Preissegment wirklich begeistert.
Was die eine mehr hat, hat die andere weniger und umgekehrt. Sei es tonlich oder qualitativ.

Moyse hat z.B immer eine Neusilberflöte gespielt (Handgearbeitet) und er gilt immer noch als DER Flötist des letzten Jahrhunderts.

Viel Erfolg bei der Suche
Altepic
 
Beiträge: 269
Registriert: 04.05.2015, 17:40
Wohnort: Bollendorf / Eifel



Ähnliche Beiträge

Powell-Workshoptag am 6.Mai 2012 in NRW
Forum: Ank. und News
Autor: Flutissimo
Antworten: 2
Metalleinsätze zum Verschließen von Ringklappen von Powell
Forum: Querflöte im allgemeinen..
Autor: Doringo
Antworten: 2
Powell Aurumite Kopfstück
Forum: Querflöten
Autor: Altepic
Antworten: 22
Powell Vollsilberkopfstück Custom (Traditionell)
Forum: Verkaufe/Suche
Autor: Sheepy_Hollow
Antworten: 0
Powell Flöte & Brannen Kopf 14k Kamin
Forum: Verkaufe/Suche
Autor: Sheepy_Hollow
Antworten: 5

TAGS

Zurück zu Querflöten

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron