Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten




Was sind die besten Flöten? Auf welchen spielt ihr? Auf welcher würdet ihr gerne mal spielen?

Moderator: Altetröte

Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon Danton » 26.11.2017, 18:46

Hallo,
nachdem ich nach meinem Wiedereinstieg ins Flötenspielen auf dieses Forum gestossen bin und mit Interesse die Diskussionen zum Thema Material gelesen habe möchte ich auf eine interessante Seite der Universität für Musik Wien zum Materialaspekt hinweisen:
http://iwk.mdw.ac.at/?page_id=97&sprache=1
Viele Grüsse,
Volkmar
Danton
 
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von Anzeige » 26.11.2017, 18:46

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Re: Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon Altepic » 26.11.2017, 22:12

Hallo Volkmar,

... die Studie ist im Forum und in Flötistenkreisen inzwischen den meisten bekannt..... und auch interessant

..... da kommen aber noch ein paar andere Faktoren dazu!

Wenn man zunächst davon ausgeht, daß die getesteten Flöten alle ein gute bis sehr gute Verarbeitung haben und ..... die Flötisten alle Profis waren....
.... die Melodie recht kurz und im Tonumfang relativ klein (soweit ich mich erinnere im wesentlichen mittlere Tonlage)
..... in einem Schalltrockenen Raum aufgenommen....

In der Praxis - ohne Aufnahme - ist beim direkten Vergleich zwischen Neusilber und Silberkopfstück bei fast jedem Spieler ein klanglicher Unterschied zu hören.
Ich habe vor ein paar Monaten von einem Yamaha EC Kopfstück (Ab der 511 - Serie) auf ein Aurumite Kopfstück von Powell (gebraucht) gewechselt.

Da ist jetzt etwas Gold dabei - aber es ist wohl mehr Handarbeit drin als bei meinem alten EC-Kopfstück und war immer noch günstiger als ein neues Vollsilberkopfstück von Mancke :)

Der Unterschied im Ton war für die Familienmitglieder deutlich hörbar (im Blindtest)
Als Spieler kann ich mit dem Kopfstück

... besser modulieren
... habe eine leichtere Ansprache und volleren Klang in den tiefen Tönen
... Pianissimo bei a''' ist kein Problem mehr
... brauche mehr Lippenarbeit (Anfangs waren die Lippen nach 40 Min. spielen einfach müde)
... Die Flöte klingt lauter (bin im Musikverein derzeit einziger Flötist) - kann mich also etwas besser klanglich durchsetzen

.... da sind viele Aspekte.

Mit Goldflöten kenne ich mich jetzt nicht so gut aus.
Wichtig ist der Anteil der Handarbeit beim Flötenbau. Das macht viel aus in der Ansprache und Modulationsfähigkeit.
Ob Gold jetzt das nonplusultra ist weiß ich nicht. Gute Verarbeitung und Qualität macht aber viel aus.

James Galway hat mal gesagt " warum soll ich keinen Rolls Royce fahren wenn ich ihn mir leisten kann?"
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Re: Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon Sheepy_Hollow » 26.11.2017, 22:26

Hallo zusammen,

ich kenne diese Studie bereits und bin selbst der Auffassung, dass die Verarbeitung eine größere Rolle spielt, als das Material.

Was mir vorher bei der Studie nicht aufgefallen ist, ist dass die "Subjektive Bewertung der Klangqualität der Testinstrumente" mit meinem persönlichen Empfinden konform geht: 8-10 karätige Flöten klingen und spielen sich wundervoll. Also für mich. Ganz subjektiv gesehen. :lol:

Danke Danton fürs Aufwärmen meines absoluten Lieblingsthemas :wink:

Da werde ich wohl weiter für ein Upgrade sparen... Zum Glück ist das billiger als 14k :shock:

LG

Sheepy
“Faux comme une flûte” est un proverbe musical dès longtemps établi. “Je connais quelque chose de plus faux qu’une flûte, disait Mozart. – C’est? – Deux flûtes.”
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Re: Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon James Blond » 27.11.2017, 16:26

Vielen Dank für den (mir) neuen link zum Materialeinfluss auf den Flötenton!

Die Materialkunde der Flötenrohre befindet sich scheinbar in jenem frühen Stadium der Allchemie, in dem Wissenschaft und Magie noch eng miteinander verwoben sind. Da ist es natürlich naheliegend, dass ein edler Klang nur durch besonders edle Matarialien erzeugt werden kann. ;)

Guter Glaube und eine gehörige Portion vorgeformten Bewussseins bereiten hier erst den Boden für entsprechende Analysen und Qualitätsurteile. Ähnlich wie bei der Blindverkostung kostbarer Weine zeigt sich auch hier, dass nicht einmal die teuersten von den billigsten Marken statistisch signifikant zu unterscheiden sind. Doch ist die Statistik überhaupt das geeignete Mittel, um einen Unterschied objektiv zu validieren?

So lobenswert solch mühevollen Untersuchungen auch sind, sie haben in der Praxis erhebliche methodische Probleme.

Das beginnt zunächst in der Prüfsituation, wo der Flötenton in einem schalltoten Raum aufgefangen wird - eine Situation also, für die keine Flöte geschaffen wurde und die dem Spieler so erhebliche Schwierigkeiten bereitet, dass ihm per Kopfhörer ein künstlicher Hall zugespielt wurde. Genau dies zeigt, wie sehr der Flötenklang von Rückkopplungsprozessen gestaltet wird: Der Spieler nimmt einen Klang wahr und reagiert automatisch darauf mit entsprechenden Anpassungsleistungen, bis der wahrgenommene Klang die erwarteten Eigenschaften aufweist. Nur wird ihm dies im schalltoten Raum nicht gelingen, in Ermangelung eines eigenen Resonanzkörpers bleibt die Flöte auf einen externen Resonanzraum angewiesen, der durch einen künstlichen Hall aus einer mikrofonierten Abnahme nur unzureichend realisiert werden kann, denn die Flöte strahlt verschiedene Frequenzspektren in unterschiedlichen Richtungen (horizontal und vertikal) ab und erst die Mischung der zurücklaufenden Reflexionen schafft den charakteristischen Klang. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Flöte ihren besonderen Zauber erst in der Mischung mit anderen Instrumenten entfaltet, setzt doch das Gehör alles Gehörte stets zueinander in Beziehung.

Kein Wunder also auch, dass die Einschätzung des Materials nach dem Gehör in solch künstlicher Umgebung scheitern muss, setzt diese doch entsprechend ausgiebige Erfahrungen des betreffenden Klangbildes voraus. Kein Wunder also auch, dass der sehr geläufige Klang einer Silberflöte noch am ehesten erkannt wird.

Weiterhin bleibt fraglich, ob der Schalldruck das geeignete Kriterium zur Beurteilung von Klangcharakteristiken ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Gitarrensaiten sich hinsichtlich ihrer Klangqualitäten auf diese Weise nicht unterscheiden lassen, auch wenn das Ohr deutliche Unterschiede wahrnimmt. Nicht allein das Obertonspektrum, auch die Transienten prägen den Klang, gehen in diese Analyse allerdings nicht ein. Hier besteht nach wie vor ein methodisches Vakuum, wenn es darum geht, Klangqualitäten zu parametrisieren.

Nicht zuletzt lässt sich bei den erheblichen individuellen Unterschieden die Mittelwertbildung zum "Materialprofil" methodisch ankreiden. Dass der Ton in erster Linie vom Spieler gemacht wird, ist eine Binse. Eine Mittelung über Personen geht von der Annahme aus, dass ein Materialunterschied bei allen Spielern eine ähnliche Klangänderung zur Folge haben müsste. Was aber, wenn die Änderung je nach Spieler ganz verschieden ausfallen würde? Dann mitteln sich diese Unterschiede u. U. heraus.

Dementsprechend zeigen die Profile (auf den PDF-Dokumentseiten 46/47) bereits recht deutlich, dass verschiedene Spieler dazu in der Lage sind, aus einigen dargebotenen Flöten ganz besonders prägnante oder ausgeglichene Tonleitern herauszuholen. Gleiches gilt auch für die Dynamik (ab S. 48). Hier müsste gefragt werden: Wenn die Flöten bis auf das Material tatsächlich baugleich sind (was ich übrigens bezweifel), wodurch kommen dann dies Unterschiede innerhalb eines Spielers zustande? Vielleicht sind sie auch vom Bewusstsein des Spielers beeinflusst, der wusste, welche Flöte er gerade spielte.

Am Ende ihrer Vergleiches (s. 84) räumt die Autorin daher ein:
Natürlich versucht jederMusiker seine Klangvorstellung, egal auf welchem Instrument er gerade spielt, zu ver-
wirklichen und macht dadurch mögliche Schwächen einer Flöte wett.


Aber es gibt möglicherweise noch eine zweite, gegenläufige Wechselwirkung zwischen Flötenmaterial und Spieler: Das Bewusstsein macht den Ton.
Nicht jede Flöte ist für jeden Spieler geeignet, aber zuweilen passt eine wie die Faust aufs Auge, wenn beide sich zu einem optimalen Klang zusammenfinden. ;)
Auch dies eine alte Binse.

Grüße
JB
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Re: Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon FluteMatze » 08.12.2017, 16:00

Hallo zusammen,

ich bin neu im Forum und biete folgenden spannenden Beitrag zum Thema an (siehe Link unten).

James Galway spielt auf 16 (!) verschiedenen Flöten von Neusilber bis Platin den selben Ausschnitt aus einem Stück. Und es klingt immer wie James Galway! Die Erkenntnis für mich: die ein oder andere Flöte macht es einem schwieriger oder leichter, am Ende zählt zu 90% der/die Flötist(in)

https://www.youtube.com/watch?v=G0n3n3N3SOY

Viel Spaß beim Hören! Es ist super spannend und unterhaltsam!

Ich freue mich auf Eure Kommentare
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Re: Silber, Gold, Platin - Materialaspekt bei Querflöten

Beitragvon Carrie » 11.12.2017, 18:41

Interessant... aber vielleicht ist gerade der schalltote Raum der Studie der "Fehler". Vielleicht klingen die unterschiedlichen Flöten erst in einem "echten" Raum anders. Ich hatte schon mehrmals das Glück, die verschiedensten Kopfstücke und Flöten aus unterschiedlichen Materialien - darunter auch Holzflöten - querbeet probieren zu dürfen. Und sie klingen definitiv unterschiedlich, egal, ob es für mich je nach Flöte schwieriger oder leichter war darauf zu spielen. Das waren alles Profiinstumente, handgearbeitet. An unterschiedlicher Qualität der Flöten hat es also in diesem Fall definitiv nicht gelegen.
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