Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöte




Was sind die besten Flöten? Auf welchen spielt ihr? Auf welcher würdet ihr gerne mal spielen?

Moderator: Altetröte

Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöte

Beitragvon MoMi » 13.11.2018, 16:07

Hallo zusammen,
ich spiele nun seit einem Jahr Querflöte und besitze eine Yamaha 212 SL. Da ich total infiziert bin und die Flöte mittlerweile meine Leidenschaft ist, spiele ich in jeder freien Minute - ca. 1 bis 2 Stunden pro Tag. Seit Sommer spiele ich zudem im Orchester. Nun gehe ich mit dem Gedanken schwanger, mir eine Semi-Profi-Flöte zu kaufen. Ich liebäugel mit einer Hammig Silberrohrflöte „mezzo“ mit Neusilbermechanik versilbert, Goldfedern mit H-Fuß und hätte gerne mal Erfahrungen zu diesem Modell.
Ich freue mich über jede - auch kritische - Anmerkung.
Liebe Grüße
MoMi
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von Anzeige » 13.11.2018, 16:07

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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon Sheepy_Hollow » 13.11.2018, 17:19

Hallo MoMi,

herzlich Willkommen im Club der Flöten-Wahnsinnigen :lol: .

Ein Flötenkauf will überlegt und geplant sein. Da du nichts davon geschrieben hast, gehe ich mal davon aus, dass du zu wenig und zu wenige Flöten getestet hast. An deiner Stelle würde ich wie folgt vorgehen:

1. Setz dir einen Zeitrahmen zum Testen von mind. 1 Jahr (besser 2 Jahre). Deine Yamaha ist nämlich wirklich gut und sollte dir mind. noch für 2 Jahre gute Dienste leisten, auch wenn du sehr ambitioniert bist.

2. Halte in dieser Zeit viel Rücksprache mit deinem professionellen Lehrer und nimm ihn oder einen anderen (Semi-) Profi zu möglichst vielen Tests mit. Dadurch bekommst du einen besseren Eindruck, was du wirklich brauchst (z. B. eine Flöte, die dich bei einem runderen Klang unterstützt oder die dir eine ergonomischere Mechanik bietet).

3. Setzte dir eine Preisspanne, mit der sich mindestens deine unter 2. festgelegten Bedürfnisse realisieren lassen (z. B. mind. Vollsilberkopf, handgemacht, usw.). Diese könnte z. B. so aussehen: 2.000,00 € bis 4.500,00 €.

4. Plane Tests bei möglichst allen Anbietern ein, die möglichst viele Flöten verschiedener Hersteller in deiner Preisspanne haben, z. B. bei

- Adams in den Niederlanden
- Bertram in Freiburg
- Flötentage München im Frühjahr 2019
- Flutissimo
- alle lokalen Musikgeschäfte in deiner Nähe

Diese Tests dienen dem Eingrenzen auf Marken und Modelle, die gut zu dir passen.

5. (dieser Punkt verläuft dann dynamisch während der Tests unter 4.) Grenze deine Auswahl auf Hersteller und eventuell Modelle ein.

6. Teste erneut die finalen Modelle mit einem Profi. Eventuell kannst du deine Wunschflöte dann auch 1 Woche daheim testen. Bertram bietet z. B. diesen Service an.

7. Kaufe eine Flöte nach einer angemessenen Bedenkzeit. Ich habe mir damals 1 Woche Zeit gelassen.

Natürlich sind auch verschiedene andere Szenarien denkbar. Wenn du dich z. B. für eine Marke und ein Modell entschieden hast, kannst du auch gebraucht nach vergleichbaren Flöten suchen. Da du neu in der Flötenwelt bist, möchte ich dir noch folgende Faustregel ans Herz legen: Handarbeit ist mehr (Geld) wert, als Edelmetallgehalte (z. B. ist eine Altus der 800er Serie (komplett aus Neusilber) qualitativ hochwertiger als eine Yamaha der 400er Serie (Silberrohr)). Handgemachte Flöten haben derzeit noch eine generell höhere Qualität als maschinell gefertigte.

Jetzt konkret zu deiner Hammig: Soweit ich weiß, ist die "mezzo" nicht komplett handgefertigt. Lediglich der Kopf ist handgeschnitten. Ich kenne auch keinen, der dieses Modell spielt. Wenn du eine Silberrohrflöte möchtest, dann gibt es eine Reihe an Flöten, die beliebter sind:

- Altus 1007
- Miyazawa 402
- Muramatsu GX

Beliebter heißt natürlich nicht automatisch besser. Ich spiele z. B. eine Burkartflöte und auf diversen Meisterkursen kannte kaum jemand meine Flöte.

Ach und bevor ich es vergesse:

8. Einspielphase neue Flöte: Das Einspielen von einer neuen Flöte dauert mindestens 1,5 Jahre. Bei mir hat es 3 Jahre gedauert. Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, auch diese Phase intensiv zu nutzen. Das heißt viel unter Aufsicht der Lehrkraft üben, damit du dein Instrument in und auswendig kennst.

LG

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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon MoMi » 13.11.2018, 18:24

Hallo Sheepy,

vielen, vielen Dank für deine super-umfangreiche Antwort. Du hast mir damit sehr geholfen und mich vor einem zweiten Schnellschuss in Sachen Flötenkauf bewahrt.

Meine Lehrerin spielt selbst eine Profiflöte von Hammig und ist totaler Fan dieser Flöten. Ich werde jetzt aber deinen Rat annehmen und zunächst einmal diverse Flöten anderer Marken testen. Ich habe ja keine Eile, da meine Flöte tatsächlich ganz ok ist. Allerdings gefällt mir der Klang nicht wirklich gut.

Ich werde jetzt mit aller Ruhe testen und mal sehen, was es am Ende für eine Flöte wird. Ich weiß schon ziemlich genau, worauf ich Wert lege und was ich nicht möchte.

LG und nochmals vielen DANK!
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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon Altepic » 13.11.2018, 18:54

Hallo MoMi,

.. schön, daß sich hier so begeisterte Flötisten/innen melden.

Mein Flötenlehrer schwört als Orchestermusiker auf die Flöten von Bernhard Hammig. Ich denke, der baut dieses Mezzo-Modell.

Ich möchte mich im wesentlichen der Meinung von Sheepy anschliessen.
Lass Dir noch etwas Zeit, Informiere Dich und leg Dich nicht auf ein Modell fest.

Auch wenn Du so fleißig täglich übst, hast Du das Potential der YFL 212 sicher noch nicht ganz ausgenutzt und wirst noch viele Möglichkeiten haben, um Deine Technik und den Ansatz zu verbessern.

Ich denke, wenn Du Dir nach einem Jahr Querflöte so ein Instrument kaufst, kann es sein, daß Du damit gar nicht Glücklich wirst.
1. Umstellung auf Ringklappen erfordert doch etwas Übung
2. Umstellung auf H-Fuss dauert auch einige Monate
3. Es kann sein bzw. mit Sicherheit ist das Mundstück anders gearbeitet und es könnte sein, daß Du damit zwar einen tollen Klang hast, Du musst aber auch mehr Lippenarbeit machen und brauchst mehr Luft.

...dafür könnte Dir aber noch die Erfahrung fehlen.

Besprech das mit Deinem Flötenlehrer. Der weiß wo Du stehst.
Wenn Du Deine 212 aufpeppen möchtest, kauf Dir ein gebrauchtes Vollsilberkopfstück über E-Bay oder Vioworld von Yamaha ab der 500er Serie oder ein anderes für 500-1000 €. Damit erzielst Du eine unglaubliche Klangverbesserung und leichtere Ansprach in der Tiefe und kannst Deine Flöte noch einige Jahre nutzen, bis Du dann wirklich die spielerische Erfahrung hast und auch den Markt für Querflöten besser kennst und vielleicht schon andere Flöten getestet hast.

Viel Erfolg
LG Altepic
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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon Sheepy_Hollow » 13.11.2018, 19:26

Altepic hat geschrieben:Wenn Du Deine 212 aufpeppen möchtest, kauf Dir ein gebrauchtes Vollsilberkopfstück über E-Bay oder Vioworld von Yamaha ab der 500er Serie oder ein anderes für 500-1000 €. Damit erzielst Du eine unglaubliche Klangverbesserung und leichtere Ansprach in der Tiefe und kannst Deine Flöte noch einige Jahre nutzen, bis Du dann wirklich die spielerische Erfahrung hast und auch den Markt für Querflöten besser kennst und vielleicht schon andere Flöten getestet hast.


Das ist ebenfalls eine gute Idee. B. Hammig verkauft seine Köpfe - soweit ich weiß - auch separat. Aber auch hiermit würde ich mir Zeit lassen. Wenn man den Kopf bei eBay kauft, kann man ihn nicht vor dem Kauf testen.

Außerdem gibt es noch weitere tolle deutsche Hersteller neben B. Hammig, z. B. Harry Gosse (tolle Gold- und Holzflöten), (Philipp und Aug. Ri.) Hammig (schöne Piccoli) und Mehnert. Eine Professorin in Rostock spielt eine Gold-Mehnert und die Flöte klingt einfach wundervoll bei ihr. Ist deine Lehrerin Fan von Bernhards Flöten oder von Philipp &CO.? Das sind nämlich zwei paar Stiefel :wink: .

Viel Spaß bei der aufregenden Suche und LG
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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon Altetröte » 13.11.2018, 23:06

Ich schließe mich meinen Vorrednern an. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass Du Deine Meinung über eine Flöte und was sie können soll, noch einige Male ändern wirst. Du hast eine gute Flöte, auf der der Du sicher noch einige Jahre spielen kannst, und dann würde ich mich auch langsam "herantasten". Viel probieren ist auf jeden Fall gut, aber gut Ding will Weile haben und vielleicht kommst Du mit einer Hammig Flöte gar nicht zurecht.
Ich wollte auch eine Bernhard Hammig Flöte haben und hatte zuvor lange auf einer Johannes Hammig Flöte gespielt, die mir aber nicht gehörte und dachte deshalb, dass ich mit der Bernhard Hammig Flöte gut zurecht komme. Sie hat mir auch gut gefallen, aber auch Muramatsu und Sankyo fand ich gar nicht schlecht, eine zeitlang hatte ich auch mit einer Powell Aurumite geliebäugelt und zum guten 'Schluß ist es nun eine Mehnert Flöte geworden, die ich eigentlich gar nicht auf dem Zettel hatte. So kann es gehen. Also nimm Dir die Zeit, um Dich selbst flötistisch zu entwickeln und probier aus, was Du in die Finger bekommen kannst. Ansonsten ist der Rat von der alten Pic auch nicht zu verachten, einfach erst einmal ein besseres Kopfstück zu probieren, das kann Wunder bewirken. Ich durfte eine Weile mal ein Kopfstück von Lafin spielen und es fühlte sich an und klang, als hätte ich eine ganz andere Flöte. Wie ist denn die Meinung Deines Lehrers zu Deinen Flötenkaufplänen?
"Ihr wisset, dass ich die blasenden Instrumentalisten nicht leiden kann, denn sie blasen alle falsch"

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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon MoMi » 16.11.2018, 19:32

Hallo ihr Lieben,
vielen lieben Dank, für eure tollen Tipps.
Ich habe heute mit meiner Lehrerin über das Thema gesprochen und bin nun zu dem Entschluss gekommen, dass ich mal zu Flutissimo nach St. Augustin fahren werde um mich zu informieren und zu testen. Ggf. werde ich meine Flöte mit einem Silberkopf und evtl. einem H-Fuß aufpeppen. Aber das steht auch noch nicht fest.

Da hätte ich auch gleich noch eine weitere Frage: Kann mir jemand den Unterschied zwischen einem "normalen"- und einem "Am"-Kopfstück erklären? Lieben Dank im Voraus.

.....und viele Grüße in die Runde
MoMi
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Re: Umstieg von Yamaha 212 SL auf eine Hammig Silberrohrflöt

Beitragvon Altepic » 17.11.2018, 00:07

Hallo MoMi
Das AM Kopfstück ist das sogenannte"Profikopfstück" von Yamaha.
Weitestgehend handgearbeitet und wird ab der 500er Serie benutzt.
Ich hatte auf meiner 471 von Anfang an den Vorläufer des AM gespielt (EC-Kopfstück)
Damit entsprach meine 471 eigentlich der YFL 671

Du solltest es ausprobieren....

Meine Erfahrung damit ist, daß es gegenüber dem Vollsilber Kofstück von 371 und 471 wesentlich den Klang und die Modulationsmöglichkeiten verbessert hat.

Vor 1 1/2 Jahren habe ich mir ein gebrauchtes Powell Aurumite Kopfstück-9k gegönnt.
Der Effekt war mit der Yamaha...... WOW...!!!!!
Ein ganz anderer Klang Super Ansprache in der tiefen Lage
ganz andere Modulationsmöglichkeiten....etc.

aber
So ein Kopfstück ist nicht für Anfänger geeignet.
Man braucht wesentlich mehr Luft und auch mehr Lippenarbeit. Ich war mit den Lippen am Anfang nach 40 Min. üben einfach fertig.
Das hab ich in all den Jahren vorher noch nie erlebt.

Sprich mit Deinem Lehrer darüber und taste Dich langsam vor.
Selbst mit viel Üben bringt es wahrscheinlich nichts, gleich auf ein Profikopfstück zu wechseln.
Aber so ein Intermediate Kopfstück wie das AM kann Dich erstmal weiterbringen.

...Den H-Fuss heb Dir auf, bis Du eine neue oder neue gebrauchte Flöte kaufst.
Der kostet bei Yamaha ca. 500 € und steht in keinem Verhältnis zur Klangverbesserung bei einer 212er.
Ich gehe auch nicht davon aus, daß Du schon Stücke spielst, wo das H brauchst.

Ich habe mir im Frühjahr nach mehrjähriger Suche eine Powell 2100 (15 Jahre alt) günstig gekauft.
Jetzt nach 8 Monaten komme ich allmählich damit zurechtˆ. Die verzeiht keine Ungenauigkeit bein Greifen, belohnt aber bei schwierigen Passagen, die ich früher nie richtig spielen konnte.

... Also wie die Vorredner...
Du musst in das Flötenspiel langsam reinwachsen und Anfangs Flöten spielen, die Deinen Fähigkeiten entsprechen.
und erst dann über Intermediate Flöten dich Richtung Profiflöte entwickeln.
Auch die Intermediate Flöten sind noch etwas weicher in der Mechanik und verzeihen Ungenauigkeiten etwas mehr als Profiinstrumente..
Viel Spaß beim Spiele.
Du hast ja schon eine Menge Anregungen bekomme
LG Altepic
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