Einführung Balancehaltung




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Einführung Balancehaltung

Beitragvon Luvanir » 23.12.2010, 00:15

Also auf vielfachen Wunsch :mrgreen: hier der Versuch einer Einführung in die Balancehaltung:

Vorteile der Balancehaltung:
- Die Finger werden weitgehend von Haltungsaufgaben befreit, alle Finger sind "nur" noch Spielfinger
- Die Flöte liegt stabil und die Stabilität bleibt auch unabhängig davon welche Klappen aktuell betätigt werden oder nicht (dadurch wird auch die Intonation bei c/cis/h verbessert da die Flöte nicht mehr nach unabsichtlich wegkippen kann)
- Das Anpressen der Flöte wird vermindert
- sie ist ganz natürlich und arbeitet nicht gegen die Schwerkraft
- Die Händer und Finger müssen rund aufgesetzt werden, die Handgelenke werden entlastet (im Vergleich zu einer sehr nach hinten gerichteten Haltung)
- Und das alles wirkt sich schlussendlich natürlich auch auf Klang und Intonation aus (da kein Wegkippen mehr, keine Verkrampfungen usw).

Die reguläre Haltung:
Das Anblasloch der Mundlochplatte liegt (mehr oder weniger) in einer Linie mit den Klappen. Wenn nun hier alle Finger (einschließlich kleiner Finger rechts) gehoben werden rollt die Flöte nach hinten (zum Spieler)
Wenn die Flöte nicht rollt, dann liegt das i.d.R. daran, dass der Spieler die Flöte sehr stark an das Kinn anpresst (und auch das ist nicht wünschenswert).
-> Die reguläre Haltung arbeitet gegen die Schwerkraft. Sie bleibt immer aktiv (wenn auch unbewusst) und irgendein Finger (meist der kleine Finger der rechten Hand) muss Haltungsaufgaben übernehmen. Aus diesem Grund kippt dann die Flöte beim cis2 oft sehr stark nach hinten, dadurch ändert sich der Klang und die Intonation dieses Tones drastisch. Damit kämpfen die meisten Anfänger.
-> Die Finger bleiben oft steifer und in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkter weil sie Haltungsaufgaben übernehmen müssen.
-> durch das starke Andrücken durch den linken Zeigefinger an die Lippen wird die Variationsbreite des Ansatzes eingeschränkt (das führt zu Problemen
bei Klang und Intonation)
Natürlich kann ich das alles durch Übung und Erfahrung ausgleichen. Aber warum etwas ausgleichen, wenn man es von Anfang an vermeiden kann?

Die Balancehaltung:
Bei der Balancehaltung wird die Schwerkraft zum Balancieren der Flöte genutzt. Wenn man die Flöte betrachtet kann man erkennen, dass das Gewicht der Mechanik die Flöte in eine bestimmte Richtung drückt. Zeigt die Mechanik nach hinten (Klappen zeigen nach oben bis nach hinten) dann kippt die Flöte nach hinten weg. Zeigt die Mechanik nach vorne (Klappen zeigen sehr weit nach vorne), dann rollt die Flöte nach vorne weg. Zeigt die Mechanik jedoch nach schräg oben (Klappen leicht nach vorne), dann bleibt die Flöte in Balance.

Das erreicht man durch eine andere Einstellung des Mundstückes. Das Anblasloch der Mundlochplatte liegt bei der Balancehaltung (mehr oder weniger) in einer Linie mit der großen Achse der Mechanik. Die Klappen zeigen leicht nach vorne. Dadurch sinkt der linke Arm etwas nach unten und der rechte Arm muss nun mehr von oben greifen. Dadurch wird i.d.R. die Haltung der rechten Hand und ihrer Finger wesentlich runder.
Die Flöte wird jetzt nur noch an drei Punkten gehalten:
- den Lippen (aber hier nur ganz leicht)
- der Wurzel des linken Zeigefingers
- dem Daumen der rechten Hand
Wenn man alle anderen Finger weit weg von der Flöte streckt (hier muss man das wirklich mal machen :mrgreen: damit man auch wirklich nicht mogeln kann) und diese Finger auch die Flöte wirklich nicht mehr berühren (auch nicht mit dem kleinsten Stückchen!) dann muss man die Flöte ausbalancieren. Minimale Veränderungen zeigen hier schon viel Wirkung. Anschließend stell man sein Mundstück nun so ein, dass die Flöte in Balance liegt und man in gewohnter Art und Weise alle Töne sauber und schön anblasen kann. Dazu muss man das Mundstück eben etwas mehr oder weniger ausdrehen/eindrehen. Hier hilft nur ausprobieren und vor jedem Spielen neu ausbalancieren.

Zeit Zeit Zeit
Die Umstellung braucht Zeit. Am Anfang wird sich die Haltung einfach nur falsch anfühlen. Wenn man durchhält wird man aber wirklich belohnt. Mit der Zeit weiß man auch genau wie man sein Mundstück einstellen muss, damit die Flöte nicht mehr kippen kann und das Ausbalancieren fällt weg. Die Flöte liegt dann einfach in Balance.

Schüler
Meine Schüler lernen alle die Balancehaltung. Die Kleinen haben immer ganz schnell den Dreh raus und tun sich damit sehr leicht. Dadurch kann ich das Wegkippen bei bestimmten Tönen (z.B. dem cis2) bei meinen Schülern nicht mehr beobachten. Als ich noch mit der regulären Haltung unterrichtet habe war das ganz normal, dass die Flöte bei diesen Tönen gekippt ist und ich meine Schüler darauf hinweisen musste.
Auch spielen meine Schüler weitaus offener. Das starke Eindrehen der Flöte ist meist ja gar nicht beabsichtigt, sondern passiert eben ganz schleichend beim Spielen. Man fängt ganz normal an und nach ein paar Takten hat man die Flöte weit eingedreht. Das kann hier nicht mehr passieren. Wer eindreht macht das aktiv und absichtlich.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Muri » 25.12.2010, 22:36

Klasse, herzlichen Dank dafür! Ich habs nun endlich mal ausprobiert und komme damit bei weitem besser zurecht als mit der normalen Haltung. Mein Ton klingt besser und ich schaffe nun auch mein heißgeliebtes Cis 4 =)
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Jenna1807 » 27.12.2010, 10:08

@Luvanir:

Das hast du super erklärt und beschrieben :D
Da ich ja schon nach ein paar Tagen zur Balancehaltung übergegangen bin, hatte ich nie Probleme mit dem cis.
Ich kann es allen nur wärmstens empfehlen!
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Luvanir » 27.12.2010, 20:47

Liebe Muri,

freut mich, dass es bei dir so gut klappt. Aber ich kann deine Erfahrungen nur bestätigen! Mein Ton klingt seit dem auch viel schöner und ich habe viel weniger Probleme beim Spielen als früher.

@Jenna: Bei meinen Schülern ist das eben auch so. Da die von Anfang an nur die Balancehaltung lernen haben die auch keine Probleme mit cis und Co.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon tityre » 28.12.2010, 00:33

Nur mal so als Zwischeninfo:

Liebe Luvanir,

du hast dir so viel Arbeit gemacht und dafür danke ich dir schon mal sehr. Dass noch keine oder nur sehr wenige Rückmeldungen vorliegen, liegt in meinem Fall (und ich vermute, das ist bei einigen so) einfach an den Feiertagen.

Ich hatte leider noch keine Zeit, mich gründlich mit deiner Erklärung zu beschäftigen, werde das aber garantiert nachholen und dann auch mal ein Feedback geben.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Christina » 28.12.2010, 09:57

Stimmt, ich finde die ausführliche Erklärung echt klasse, hatte aber in den letzten Tagen noch nicht die Chance, mich mal näher damit zu beschäftigen. Das werde ich aber auf alle Fälle nachholen und dann auch hier von meinen Eindrücken berichten.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Carrie » 28.12.2010, 13:09

Dem schließe ich mich an! Habs schonmal kurz ausprobiert und werde garantiert noch was dazu schreiben.
Schonmal vielen Dank an dich :)
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Luvanir » 28.12.2010, 20:25

Danke für eure lieben Worte :D

Aber dafür ist das Forum ja da: Jeder hilft da weiter wo er kann. Ich habe ja auch schon genug von euren Beiträgen profitieren dürfen.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Flöti » 28.12.2010, 21:20

liebe luvanir,

ich kann mich den anderen nur anschliessen. die feiertage... 8)
aber heute hab ich mir die flöte dann mal wieder geschnappt.

ich hab ja schon sehr früh von dieser haltung gelesen und da die flöte ja immer am "rollen" war, hab ich damit von anfang an herumexperimentiert.
zwischenzeitlich war ich dann ziemlich genervt davon, da sich gar nichts mehr richtig anfühlte.
meine lehrerin unterrichtet "klassisch" (?) und ich habe zuhause mit der balancehaltung herumexperimentiert.

rausgekommen ist dann wohl eine haltung, die stark in richtung balnancehaltung geht, aber - wie ich heute ausprobiert habe - noch einiges an möglichkeiten offen hat.
sprich: ich "müsste" den kopf noch weiter drehen, damit ich wirklich in balance spiele.

liegt die flöte wirklich auf dem "knochen" des linken zeigefingers auf? oder auf dem ersten fingerglied?
bisher lag die flöte eher auf dem ersten fingerglied. heute lag sie eher auf dem knochen auf, was sich aber sehr unangenehm anfühlte.

so,
nun werd ich die nächsten tage noch ein wenig rumprobieren.

sag mal,
ich überlege ernsthaft, ob ich das thema mit meiner lehrerin nicht doch nochmal ausgiebig besprechen sollte (wenigstens damit sie weiss, was ich da mache :mrgreen: ) und wollte dich fragen, ob ich deinen text ausdrucken darf. ich finde ihn sehr ausführlich und gut beschrieben!

liebe grüsse
Flöti
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon klangträumer » 29.12.2010, 11:48

Ich hab gestern auch mal ein bißchen mit der Balancehaltung rumexperimentiert.
Hab ich das richtig verstanden, daß der Flötenkopf, wenn man die Balance gefunden hat, wieder in einer Achse mit den Klappen sein soll? Das krieg ich hin und auch ausbalanciert. Habe allerdings das Gefühl, daß ich meine rechte Hand superweit nach oben nehmen muß (im Spiegel sieht´s aber gar nicht so krass aus). Zur Tonqualität/ -verbesserung kann ich noch nix sagen. Was ich auch noch nicht hinbekomme: cis2 spielen und dann auch noch den kleinen Finger wegnehmen, ohne daß sich der Ton verändert.
Ich werde meine Lehrerin auch mal auf die Balancehaltung ansprechen...
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Jenna1807 » 29.12.2010, 12:35

@Klangträumer

Ich habe das Mundstück soweit zu mir gedreht, dass der untere Rand des Anblasloches eine Linie zu dem Mechaniksteg bildet.
Einfach rumprobieren :wink:
Du kannst auch die Flöte mit den beiden Zeigefingern einmal halten und sehen, wann sie nicht mehr zu dir kippt.
Dementsprechend kannst du das Anblasloch einstellen.
Meine Lehrerin kennt diese Haltung leider gar nicht, hat aber auch nichts dagegen.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon klangträumer » 29.12.2010, 12:50

Das Anblasloch zur Mechanik drehen - damit hab ich angefangen, und dann das Mundstück wieder immer mehr Richtung Klappen gedreht. Wenn das Anblasloch dann wieder eine Linie mit den Klappen bildet, kann ich die Flöte immer noch ausblancieren, aber das Spielen fühlt sich recht seltsam an...
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Muri » 03.01.2011, 13:05

Flöti hat geschrieben:
liegt die flöte wirklich auf dem "knochen" des linken zeigefingers auf? oder auf dem ersten fingerglied?
bisher lag die flöte eher auf dem ersten fingerglied. heute lag sie eher auf dem knochen auf, was sich aber sehr unangenehm anfühlte.



Bei mir liegt die Flöte eher auf dem Fingerglied. Es fühlt sich so an, als würde mein Zeigefinger die Flöte umrahmen!

Hab mein Kopfstück im Moment nicht weit rausgedreht, ca. 5mm weiter nach außen. Auf Höhe mit der Achse liegt sie nicht! Aber das ist sicher individuell.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon Jenna1807 » 03.01.2011, 15:17

Muri hat geschrieben:
Flöti hat geschrieben:
liegt die flöte wirklich auf dem "knochen" des linken zeigefingers auf? oder auf dem ersten fingerglied?
bisher lag die flöte eher auf dem ersten fingerglied. heute lag sie eher auf dem knochen auf, was sich aber sehr unangenehm anfühlte.



Bei mir liegt die Flöte eher auf dem Fingerglied. Es fühlt sich so an, als würde mein Zeigefinger die Flöte umrahmen!

Hab mein Kopfstück im Moment nicht weit rausgedreht, ca. 5mm weiter nach außen. Auf Höhe mit der Achse liegt sie nicht! Aber das ist sicher individuell.


Bei mir liegt die Flöte auf dem untersten Teil des Zeigefingers. Durch das drehen des Mundstückes verändert sich ja auch die Haltung der Finger(Hand). Das mit dem Umrahmen der Flöte passt schon :wink:
Und ich denke auch, dass es mit dem Ausdrehen des Mundstückes sehr individuell ist. Es geht ja nur darum, dass die Flöte sicher in den Händen liegt und die Finger frei sind von Haltungsaufgaben.
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Re: Einführung Balancehaltung

Beitragvon King of Flute » 03.01.2011, 15:29

Ist der kleine Finger der rechten Hand nicht dazu gedacht eine Haltungsaufgabe zu übernehmen?

Sonst würde ja auch nicht in den Grifftabellen stehen, dass er bei den meisten Tönen die dis Klappe betätigt.
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