Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben - W




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Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben - W

Beitragvon Altepic » 04.10.2018, 22:57

... nein... ich gebe nicht auf....Seit fast vier Monaten "ARBEITE" ich an der Prokofjev Flötensonate....
Gesamtdauer : ca. 20 -23 Min. Ja - die ist schon für mich seeeeehr schwer
...erste zwei Seiten ... Noten lesen - üben...
nächste zwei Seiten - Noten lesen - üben--- etc.

...seit zwei Tagen und vier Monaten üben bin ich so weit, daß ich sagen kann, ich behersche das Stück, um musikalisch daran zu arbeiten :
Ich habe aber manchmal schon daran gedacht, ob ich mich mit dem Stück nicht übernommen habe!!

...gibt noch ein paar Stellen, wo ich technisch "noch" besser werden möchte.

...
Je länger ich daran übe, umso mehr gefällt mir das Stück... Habe mich sozusagen darein verbissen!!!

Wie geht das bei Euch?

Aufgeben... weiterüben ... langsam die fingertechnik einüben bis es im gewünschten Tempo klappt?!!
Gebt Ihr Euch die Zeit? - nach dem Motto - irgendwann krieg ich das hin?
Mehr Übezeit investieren...
Das gilt nicht nur für Prokofjev, sondern auch für alle Flötisten in Blasorchestern die schwierige Stellen haben
LG Altepic

Aufgeben gibts nicht!!!
Irgendwann schaff ich die Stelle locker...
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von Anzeige » 04.10.2018, 22:57

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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Sheepy_Hollow » 05.10.2018, 13:40

Hallo Altepic,

danke für den netten Beitrag. Er hat mich stark an mich selbst erinnert, weil ich in meiner Schülerzeit immer Stücke spielen wollte, die viel zu schwer für mich waren und ggf. noch sind. Bei mir war es u. a. die Grand Polonaise von Böhm.

Während der Vorbereitungen auf die Aufnahmeprüfungen für Flöte (nicht Lehramt), habe ich mit dem Umdenken angefangen. Ich konnte plötzlich noch viel feinere Nuancen hören. Die Umsetzung klappte auch, aber nur bei viel einfacheren Stücken, weshalb ich mich für die Aufnahmeprüfung mit dem Schwierigkeitsgrad 3,5 von 5 begnügt habe. Seitdem verstehe ich, warum viele Lehrer sich weigern, wenn Schüler zu schwere Stücke spielen wollen.

Persönlich fand ich es sehr befriedigend, meine Konzertstücke in meiner Perfektion vorspielen zu können. Undenkbar bei der Grand Polonaise. Im Frühjahr habe ich die Voliere vorgespielt und schäme mich für die Aufnahme, die leider währenddessen gemacht worden ist. Auch wenn ich weiß, dass viele Profis dieses orchestrale Werk im Ernstfall nicht perfekt vortragen können, sind mir meine "Fehler" darin unangenehm.

Ich möchte hier allerdings keine Wertung abgeben, ob es gut oder schlecht ist, sich mit zu hohen Schwierigkeitsgraden zu schinden. Dazu sind die Flötisten zu individuell und ich weiß nicht genug über Flötenpädagogik.

Mein Tipp für dich: Arbeite in ganz kleinen Abschnitten (z. B. in halben Seiten) und nimm dich beim Spielen selbst auf. Anhören. Verbessern. usw. Du ersetzt hier dann den Lehrer. Der kann dir dann andere wichtige Dinge beibringen.

LG

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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Musiquer » 05.10.2018, 16:47

Hallo!
So wie Dir mit der Prokoffiev-Sonate ist es mir mit dem Konzert von Ibert gegangen. Nach einiger Zeit hab ich es dann aufgegeben, weil ich gemerkt hab, dass ich das tempomäßig nicht hinkrieg.

Insgesamt schließ ich mich Sheepy Hollows Meinung an: es bringt nichts sich in schwere Stücke zu lange zu verbeißen. Du hast bestimmt in den vergangenen Monaten, wo Du den P. geübt hast, viel dabei gelernt. Mehr ist im Moment vielleicht nicht drin. Wenn du es in einem Jahr wieder aufgreifst, kannst Du auf einer Grundlage aufbauen und weiterkommen, denn das Stück "arbeitet" selbständig in dir weiter, auch wenn Du es einige Zeit nicht spielst.

Ich glaube, dass man sich schon gelegentlich an Stücke herantrauen sollte, die relativ schwer sind. Man muss sie ja nicht vorspielen. Man profitiert von der zeitweisen Überforderung. Aber man sollte auch - gleichzeitig oder abwechselnd dazu - leichtere Stücke spielen, bei denen man sich entspannen und Erfolgserlebnisse und Spielfreude sammeln kann.

LG von Musiquer
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Altepic » 05.10.2018, 21:07

Danke Euch für die Antworten!!

ich habe bei dem Stück wirklich viel gelernt.
Im ersten Satz ist ein Lauf, der geht bis D'''' - musste erstmal den Griff googeln... :)
aber der Lauf gleich 5 mal hintereinander

Im 3. Satz dann eine wunderschöne Übung für den rechten kleinen Finger...

Zudem habe ich mehrfach Hilfsgriffe entdeckt und eingeübt, die manche Läufe wesentlich einfacher bzw. erst spielbar machen.
Manchmal stelle ich Anfängerfehler fest. Warum spiele ich seit drei Monaten einen superschnellen Lauf nicht mit der B-Klappe?
Das ist eine Fingerbewegung weniger und macht alles viel einfacher...

Insgesamt musste ich mich erstmal an die für mich unerwarteten Harmonien gewöhnen und die Noten mit allen Vorzeichen lesen....

Wenn die Läufe dann mal in den Fingern sind ist es nicht mehr so schwer...

Ibert Konzert habe ich letztes Jahr gemacht. Das muss man wirklich manchal aussetzen und einige Zeit "reifen"lassen.
Hatte ich aber schon mal mit 21. Jahren geübt. Jetzt nach vielen Jahren wieder neu geübt...
Ich muss aber auch sagen, daß ich seit April eine Powell2100/ Conservatory spiele.
Alleine durch die Mechanik kann ich Stellen spielen, die mir auf meiner 471 intermediate Yamaha große Probleme bereitet haben.

Natürlich "spiele" ich auch andere Stücke. Ich habe vor einiger Zeit "Haro no Umi entdeckt (The sea in Spring) von dem Japaner Mijaki ca 1913? komponiert. - Wunderschönes Vorspielstück kommt sogar solo, ohne Klavier oder Harfe gut an...

An die Grande Polonaise von Böhm werde ich eher nicht rangehen - Da hat der Böhm ja wirklich alle Schwierigkeiten aus seinen Etüden reingepackt :shock:
Vielleicht mach ich mich an die Sonatine von Pierre Sancan..


Ich denke halt, man wächst mit jedem Stück und schiebt auch die eigenen technischen Grenzen immer ein wenig weiter hinaus...
Profi werde ich nicht mehr... dafür ist meine Übezeit begrenzt aber technisch und musikalisch weiterentwickeln - ohne Zeitdruck..
..manchmal auch einfach beim spielen entspannen...
Dafür liebe ich das Flötespielen

Viele Grüße
Altepic
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Aspi » 15.10.2018, 17:50

Ich habe meistens gerade irgendein Stück am Wickel, das eigentlich zu schwer für meinen derzeitigen Stand ist. Es gibt Stücke, die wollen gerade jetzt gespielt werden, wenn ich zu lange warte, geben sie mir nichts mehr. Ich sage mir dann immer, dass ich es als Etüde nehme. Es muss nicht perfekt werden. Ich freue mich dann, wenn es über die Monate besser wird und höre auf, wenn ich überhaupt keinen Fortschritt mehr merke. Die Stücke dürfen dann ruhen, bis ich nach 1 oder 2 Jahren wieder Lust drauf bekomme. Dann ist die Freude meistens groß, weil nichts vergessen ist und alles leichter geht.
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Altepic » 06.11.2018, 23:02

Will mich mal melden, wie es mit en sehr schweren Stücken voran geht....
...inzwischen habe ich mir alle vier Sätze von der Prokofjev Sonate erarbeitet. :D
Die ersten drei gehen inzwischen meistens locker, der vierte muss noch etwas vertieft werden.....
dann kann ich an die Zusammenarbeit mit dem Piano gehen. Das wird wohl noch ein halbes Jahr dauern, weil ich noch andere Projekte mit Flöte/Klavier in der Pipeline habe. Bis dahin kriege ich auch den vierten Satz evtl. aufführungsreif hin. Meine Klavierpartnerin muss die Sonate sicherlich auch gründlich üben.
Das läuft aber dann nebenbei...
Jetzt mache ich mich zur Entspannung an die Godard Suite . Das ist leichte Unterhaltung, die aber eindrucksvoll klingt( will aber auch geübt sein) und auf Vorschlag meines Lehrers geht's dann an die Le Merle Noire von Messiaen.
Wer hat das schon mal gespielt? 1951 komponiert, mit Elementen der Zwölftonmusik. Klassiker der Flötenliteratur!
...Wer mal im Frühling auf Amselgezwitscher mit entsprecehendem Pfeifen antwortet, kann feststellen, daß Amseln versuchen, die Laute und Tonfolgen nachzuahmen...
Messien hat ab einem Erlebnis immer versucht, Vogelstimmen in seine Kompositionen einzuarbeiten.

LG Altepic
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Musiquer » 08.11.2018, 16:02

Hallo Altepic!

Le Merle noir hab ich mal angefangen, aber dann wieder aufgegeben, da ich das Gefühl hatte, dass die Amseln vor meinem Fenster das besser können als ich....
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon James Blond » 09.11.2018, 13:14

Hallo Altepic,

mal so zwischendurch "zur Entspannung" die Godard Suite einüben - das würde ich auch gern können. Auch wenn das Stück entspannt anzuhören ist: Es zu erarbeiten, wäre für mich harte Arbeit und bis es dann entspannt klingt, wäre nochmals mit langer Übung verbunden. Denn ein mühelos klingender Vortrag sollte ja stets das Ziel bleiben, selbst wenn es ein beschwerlicher Weg dorthin ist. Schwierige Stücke mögen für den technischen Fortschritt vorteilhaft sein, doch wenn sich auch dem Zuhörer die Schwierigkeit mitteilt, sollte beim Vortrag besser auf Leichteres zurückgegriffen werden.

Ich übe nun schon seit geraumer Zeit die Badinerie aus der H-Moll Suite, vorspielen möchte ich sie aber keinem. Geschwindigkeit mit Akkuratesse zu verbinden ist nach wie vor eine Herausforderung für mich, auch wenn ich hier mittlerweile bei 123 bpm mithalten kann. Überhaupt ist der 1/16-Zungenstoß (einfach oder doppelt) bei höheren Tempi mein großes Problem, an das ich mich nun schrittweise heranpirsche. Dazu kann ich nur immer wieder betonen, wie hilfreich eine DAW sein kann, weil sie es ermöglicht, die Stücke mit Begleitung im jedem beliebigen Tempo zu üben, um anschließend das eigene Spiel anhand der Aufnahme zu kontrollieren.

Die Amseln haben sich früher mitunter in meine Aufnahmen gezwitschert und zwar durchaus harmonisch. Den letzten Sommer aber sind sie ausgeblieben. Ob dies am Wetter oder an meinem Flötenklang lag, möchte ich dahingestellt sein lassen. ;)

Liebe Grüße
JB
Zuletzt geändert von James Blond am 13.11.2018, 12:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon Altepic » 09.11.2018, 22:49

Hallo James Blond,

die Badinerie ist wirklich ein heikles Stück - wunderschön natürlich - eigentlich technisch nicht so übermäßig schwer, aber mit ein paar "komischen" Griffkombinationen. Da verspiel ich mich immer wieder....
Hab's auch noch nie irgendwo vorgespielt, weil ich es dann wirklich üben - auswendig - müsste.

Nicht aufgeben.... Ich weiß, Deine Qualitäten liegen in einem anderen Bereich, den wir "klassische" Flötisten kaum beherrschen....

Zum Thema Doppelzunge:
Mein "einziger" Schüler übt seit fast einem Jahr die Doppelzunge und tat sich Anfangs seeeehr schwer damit. Ich kann mich bei mir nicht daran erinnern, daß ich damit große Probleme hatte aber da ist jeder anders gestrickt. Inzwischen hat er die Technik grundsätzlich verstanden, kann es sauber umsetzen und muß das noch auf Tempo bringen.

Zu unterrichten bringt mich auch immer wieder dazu selbst zu reflektieren, WARUM muss man diese oder jene Übungen als Flötist sein Leben lang machen?

Ohne Tonleitern durch alle Dur- und Molltonarten inkl. Terzen und Akkorde geht es einfach nicht!!!!
Diese Arpeggien werden dann in den Etüden in allen Varianten vertieft und was macht Godard am Ende vom ersten Satz?
... Klassisches Finale in B-Dur. Einfache Akkordfolge wie in den Tonleiter/Akkordübungen von Köhler oder .... sonstwem - mit Doppelzunge!
Easy, wenn man die "daily exercises" macht.

Ich lasse meinen Schüler inzwischen jede Unterrichtsstunde eine Tonleiter mit Doppelzunge spielen, dann immer doppelte Töne mit Doppelzunge ( ffggaabbcc..)
Ich glaube, das ist eine der effektivsten Übungen. .... Regelmäßig und ohne Leistungsdruck... mit jeder Woche wird es besser, sauberer, schneller. und dann auch jedesmal die chromatische.... immer schneller
Viel Erfolg, Hartnäckigkeit und Geduld... Das kommt!!!

LG Altepic
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Re: Sehr schwere Stellen "erarbeiten" Verzweiflung -Aufgeben

Beitragvon James Blond » 13.11.2018, 13:14

Hallo Altepic,

vielen Dank für die freundliche Ermutigung!
Als ich seinerzeit als Anfänger mit der Flöte in eine Jazzband einstieg, habe ich ausschließlich das Repertoire geübt. Das führte zu einer recht einseitigen Ausrichtung auf die b-Tonarten, auf das Binden der Töne, auf die mittlere Oktave sowie auf jazztypische Phrasierungen, Rhythmen und Verzierungen.

Seit meinem Wiedereinstieg in 2012 bemühe ich mich verstärkt um das systematische Üben aller Tonarten, des gesamten Tonumfangs bis zum hohen c'''', verschiedener Artikulationen, Arpeggien. Nur mit Trillern hadere ich nach wie vor, ich mag sie einfach nicht besonders. Muss ich aber auch nicht, denn Orchesterflötist werde ich sicher nicht mehr. Viel wichtiger erscheint es mir nun, eigenen Zielsetzungen und Klangvorstellungen zu folgen.

Da sehe ich das Studium schwieriger Stücke wie ein Bergsteiger eher als Herausforderung, meine Kräfte daran zu messen, aber weniger aus Begeisterung an ihrer musikalischen Schönheit. Ich sehe aber auch die Gefahr, dass man dadurch sehr leicht zu reinen Kunststückchen verführt wird. Musik sollte nicht als Zirkus präsentiert werden (was leider oft genug geschieht), die Technik nicht zum Selbstzweck verkommen, sondern sich der Aufgabe des musikalischen Ausdrucks unterordnen. Denn der leidet schon oft genug unter dem Profilierungsdrang des Interpreten. Es ist wie mit dem Bodybuilding: Man kann zwar tolle Muskeln bewundern, doch Schönheit geht anders. :)

Liebe Grüße
JB
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